Kritik an Wiener Wohnen

"Schockiert" – Keine Wohnung für Wienerin im Rollstuhl

Christina Paul musste aus ihrer Wohnung ausziehen, von Wiener Wohnen gab es eine Absage. Die Bezirksrätin übt Kritik an der Barrierefreiheit in Wien.
Yvonne Mresch
05.05.2026, 06:30
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Seit einem Unfall in der Schulzeit sitzt Christina Paul im Rollstuhl. Nach der Matura suchte und fand die Wienerin eine eigene Wohnung am Alsergrund, mietete diese privat und baute sie nach ihrem Bedürfnissen um. "Knapp 15.000 Euro hat das damals gekostet", erinnert sie sich.

Absage nach zehn Wochen

Nach 19 Jahren dann die Hiobsbotschaft: Der befristete Mietvertrag wurde, für die Wienerin völlig überraschend, nicht mehr verlängert: Innerhalb von sechs Monaten müsse sie aus ihrer Wohnung ausziehen, hieß es. "Es war beängstigend", so die Bezirksrätin, die nun nicht nur auf der Suche nach einer Wohnung, sondern auch nach einer mit Barrierefreiheit war.

Paul stellte einen Antrag bei Wiener Wohnen – jedoch ohne Erfolg. Nach zehn Wochen Wartezeit auf eine Antwort trudelte schließlich eine Absage ein. Die Begründung: An ihrer aktuellen Wohnadresse gäbe es bereits einen barrierefreien Zugang. Die Befristung eines Mietvertrages stelle keinen Wohnbedarfsgrund dar.

"Muss zuerst auf der Straße sitzen"

Paul war schockiert und wollte einen Termin bei der Wohnkommission vereinbaren. "Dort sagte man mir, es sei Sommerpause und ich solle im September wiederkommen", erzählt sie. Das Problem: Im September musste die Politikerin bereits ausziehen, was sie auch ansprach. "Sie haben mir geantwortet, dass nun mal Sommerpause sei und der Vermieter mich ohne Gerichtsvollzieher sowieso nicht raus bringt. Übersetzt heißt das, man muss zuerst auf der Straße sitzen."

Doch noch etwas ärgert Paul: "Hätte ich eine Zusage bekommen, wäre mir ein einziges Wohnungsangebot vorgelegt worden. Das hätte ich annehmen müssen, sonst wäre ich für drei Jahre gesperrt worden", so die 40-jährige, die in einem Reha-Zentrum tätig ist und daher weiß: "Ich bin mit meiner Problematik kein Einzelfall." Viele würden drei Monate auf eine Bewilligung eines Wohntickets warten, kritisiert Paul. Aber nicht nur das: "Erst nach der Zusage würde ich die Info bekommen, ob ein Umbau möglich ist. Dieser muss auch beim Auszug wieder zurück gebaut werden. Da man dafür Förderungen bekommt, wird hier das eigene Geld verschwendet."

Lange Suche nach einer Wohnung

Für die junge Frau begann mit der Absage eine Odyssee an Besichtigungen. "Viele Wohnungen werden als barrierefrei bezeichnet, sind es aber nicht", erinnert sie sich. Hinzu kämen "Massenbesichtigungen": "Wenn man da auch nur eine Kleinigkeit umbauen möchte, hat man keine Chance." Schließlich erhielt Paul eine Genossenschaftswohnung – zwar in einem anderen Bezirk, der Leopoldstadt, aber dennoch: Sie hat endlich eine Wohnung gefunden.

Die Grünen üben harsche Kritik an fehlenden barrierefreie Angeboten und langen Wartezeiten bei Wiener Wohnen – "Heute" berichtete. Die Stadt habe es über Jahre verabsäumt, barrierefreien Wohnraum zu schaffen, heißt es. Gefordert werden mehr leistbare Wohnungen sowie transparente Vergaberegeln.

Wiener Wohnen: "Voraussetzungen nicht erfüllt"

"Wiener Wohnen nimmt Anliegen von Menschen mit Behinderung sehr ernst", heißt es auf "Heute"-Anfrage. Man habe den Antrag von Christina Paul sorgfältig geprüft und in der damaligen Wohnung habe es keine barrierebedingten Probleme gegeben. Die Voraussetzungen für eine Vormerkung als Rollstuhlfahrerin wären damit nicht erfüllt.

Aufgrund der "besonderen persönlichen Situation" wurde der Fall im zuständigen Gremium von Wiener Wohnen beraten und an die unabhängige Wohnungskommission verwiesen. Diese Kommission prüft außergewöhnliche Wohnsituationen nochmals gesondert. "Zu einer Entscheidung kam es jedoch nicht mehr, da Frau Paul ihren Antrag zurückgezogen hat. Als Begründung gab sie an, bereits selbst eine geeignete Wohnung gefunden zu haben", heißt es.

Der Bestand an barrierefreiem Wohnraum werde durch Sanierungen und Neubauten laufend vergrößert, wird betont. Dennoch wären rollstuhlgerechte Wohnungen ein "besonders knappes Segment, weshalb eine sorgfältige Prüfung und Priorisierung nach objektiven Kriterien notwendig ist."

{title && {title} } ym, {title && {title} } 05.05.2026, 06:30
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