"ExoticPlants"

Wiens skurrilster Garten – hier wächst 5.000-€-Pflanze

Von der "Darth Vader"-Pflanze bis zum "Affenschwanz": Biologe Robert Zeillinger hat sich den exotisch-skurrilen Botanik-Schätzen verschrieben.
Yvonne Mresch
05.05.2026, 05:30
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"Im Kindergarten hatte jedes Kind eine Marke am Kleiderhaken. Meine war eine Gießkanne. Vielleicht war das schon ausschlaggebend", lacht Robert Zeillinger im Gespräch mit "Heute".

Der 65-jährige Universitätsprofessor ist hauptberuflich in der Krebsforschung tätig, als gelernter Biologe hat er sich jedoch gänzlich den Pflanzen verschrieben. In seinem Shop "ExoticPlants" in Essling (Donaustadt) findet sich die "wohl größte private Sammlung exotischer Pflanzen", wie er stolz erklärt.

"Es macht einfach Spaß!"

Die Liebe zu den Pflanzen packte ihn bereits als Kind. "Ich habe die Zimmerpflanzen-Sammlung meiner Mutter geliebt. Während des Studiums in Wien habe ich dann selbst in Blumengeschäften eingekauft und mir viele Bücher besorgt", erinnert er sich. "Ich wollte immer sehen, was es in der Welt gibt, das hat mich fasziniert. Es macht einfach Spaß!"

Vor 15 Jahren entschied sich Zeillinger dazu, sein Hobby der Allgemeinheit zugänglich zu machen und die Raritäten zum Verkauf anzubieten. Daraus hat sich ein Handel entwickelt, importiert wird etwa aus den USA, Indonesien oder Thailand. Dabei versucht der Experte, auf jeden Kundenwunsch individuell einzugehen.

Unverkäuflicher Kaktus aus Chile

An die 50.000 Pflanzen gibt es in dem Gewächshaus zu sehen und zu erwerben. Der Schwerpunkt lag lange auf Kakteen und Sukkulenten, später kamen Zitrus- und wasserspeichernde Pflanzen dazu, ebenso wie Palmen. Kurz: "Alles, was man sich vorstellen kann", schmunzelt der Inhaber. Sein neuestes Projekt ist die Bonsai-Zucht.

Doch nicht jeder Botanik-Schatz ist verkäuflich. "Der Wert einer Pflanze ist für jede Person unterschiedlich", stellt Zeillinger klar. Kommerziell betrachtet hat jedoch eine die Nase vorne: Ein Kaktus aus der Atacama Wüste in Chile. Dort regnet es jahrelang nicht, Wasser nimmt er lediglich über die Dornen aus Nebelwasser auf. Er wird auf 5.000 Euro geschätzt – ihn herzugeben kommt für den Wiener aber nicht in Frage. "Es gibt einfach Stücke, die so alt, selten und wertvoll sind, dass sie unverkäuflich sind."

"Schwarzmarkt ist stark ausgeprägt"

Das ruft aber auch jene Menschen auf den Plan, die solche Pflanzen nicht auf legalem Weg erwerben: "Der Schwarzmarkt ist leider immer noch sehr stark ausgeprägt", erklärt der Biologe. "Menschen fahren an den Ort, wo es die Pflanze gibt, und rauben sie. Es geht hier um richtige Kriminalfälle." Aber wie kommt man grundsätzlich an derart exotische Pflanzen? "Entweder ist man schon älter und hat sie in Jugendjahren erworben. Dann konnte man zusehen, wie sie sich entwickeln. Oder man ersteht sie bei Sammlern", so Zeillinger.

Unter der Sammlung des Naturwissenschaftlers befinden sich verschiedenste, teils skurrile, teils außergewöhnlich schöne Stücke. Von der "Darth Vader"-Pflanze, die diesem Namen ihren schwarzen Blättern verdankt, über den Affenschwanz, der ähnlich wie jener des Tieres aus dem Topf hängt und sich trotz Dornen weich anfühlt, bis hin zur Bischofsmütze, die dem Original überraschend ähnlich sieht.

"Für einen Botaniker gibt es keine verrückten Pflanzen", betont Zeillinger lächelnd. Etwas eigenartig sei jedoch die Welwitschie, eine über 1000 Jahre alt werdende Pflanze aus der Namib Wüste. "Meine Frau sagt, sie ist sehr hässlich. Im Grunde sind es zwei Blätter, die unendlich lange vor sich hin wachsen und am Rand trocknen. Die abgetrockneten Blätter rollen sich ein."

Vorsicht vor "giftiger Milch"

Skurrile Anfragen erreichen den Experten regelmäßig: "Ein Mann suchte eine Pflanze, die weder Wasser noch Licht braucht. Er hat sich dann dafür entschieden, wieder zu gehen und bei seinen Plastikblumen zu bleiben", lacht Zeilinger. Ein weiterer Kunde wollte ein "Lucky Luke"-Kaktus, die dem Comic-Vorbild ähnlich sieht. "Sie hatten sogar genaue Vorstellungen von den Maßen, damit es mit der Inneneinrichtung zusammenpasst."

Bei manchen Pflanzen in Zeillingers Sammlung ist Vorsicht geboten: Abgesehen von den stacheligen Kakteen gehören dazu auch Fleischfresser oder sogenannte Euphorbien. Letztere sehen Kakteen sehr ähnlich, enthalten aber eine giftige Milch, die auf der Haut ätzend sein, eventuell Allergien hervorrufen oder im Auge sogar zur Erblindung führen kann. Vor allem bei Haustieren und kleinen Kindern sei bei vielen Pflanzen vorsichtig geboten, betont der Chef.

Wer sich selbst ein Bild machen, sich beraten lassen oder eine exotische Pflanze erstehen möchte, kann das in der Schafflerhofstraße 12 tun. Öffnungszeiten sind Freitag von 15 bis 19 Uhr und Samstag von 13 bis 19 Uhr. "Man sollte aber vorher anrufen", bittet der Inhaber.

{title && {title} } ym, {title && {title} } Akt. 05.05.2026, 08:34, 05.05.2026, 05:30
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