Bei strahlendem Sonnenschein trifft sich der Wiener SPÖ-Rathausklub derzeit zur Klausur in Andau im Burgenland. "Wien voran: Arbeit. Aufschwung. Zukunft", lautet das Motto. Bürgermeister Michael Ludwig (SP) umriss zum Auftakt die Kernthemen: Investitionen in neue Technologien, Maßnahmen zur Klimaanpassung im öffentlichen Raum sowie eine stärkere finanzielle Ausstattung der Wiener Bezirke. Danach präsentierten die Stadträte neue Kernpunkte ihrer Ressorts in den "Red Talks".
Ein zentrales Thema war das Wiener Gesundheitssystem. Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SP) hob dabei die Leistungsfähigkeit der Wiener Versorgung hervor. Wien verfüge über ein "extrem leistungsfähiges System", das sich auch in Krisenzeiten bewährt habe. "Wien erledigt seine Aufgaben und drückt sich nicht vor Herausforderungen", so Hacker.
In den letzten Jahren wurde das Spitalsnetz umfassend reformiert. Die Zahl der Gemeindespitäler wurde von zwölf auf sieben reduziert, wodurch größere und stärker spezialisierte medizinische Zentren entstanden. Parallel dazu investiert die Stadt massiv in ihre Gesundheitsinfrastruktur: Bis 2030 sollen rund 2,4 Milliarden Euro in den Ausbau und die Modernisierung der Wiener Gemeindespitäler fließen, zusätzlich wurden seit 2018 bereits rund 2,9 Milliarden Euro investiert.
Der Wiener Gesundheitsverbund (Wigev) spielt eine zentrale Rolle. Drei von vier Spitalsbehandlungen in Wien fanden 2025 in den Einrichtungen des Wigev statt. Insgesamt wurden rund 244.000 stationäre Patienten behandelt und etwa 5,2 Millionen ambulante Kontakte verzeichnet. Auch die Notfallversorgung ist stark ausgelastet: Im Schnitt wird alle zweieinhalb Minuten ein Patient mit der Rettung in ein Gemeindespital eingeliefert. Rund 131.000 Operationen wurden erledigt, etwa 30 Prozent davon akut innerhalb von 48 Stunden.
Die medizinische Versorgung verändert sich in Wien. "Die Zukunft der Medizin ist ambulant", erklärte Hacker. Während die Zahl stationärer Patienten sinkt, steigt die Zahl ambulanter Behandlungen deutlich. In den Erstversorgungsambulanzen wurden 2025 rund 160.000 Menschen betreut.
Um diese Entwicklung zu unterstützen, baut Wien die tagesklinischen Plätze um rund 50 Prozent auf etwa eintausend Plätze aus. Dadurch können rund 800 Spitalsbetten reduziert werden. In den kommenden fünf Jahren sollen zudem 169 Gesundheitszentren entstehen, darunter rund 80 Primärversorgungszentren. Auch die kassenärztliche Versorgung wird ausgebaut und soll künftig etwa 3.400 Stellen umfassen.
Geplant sind außerdem neue spezialisierte Einrichtungen, darunter neun Zentren für Frauenheilkunde sowie zusätzliche Diabetes-, Wund- und Schmerzzentren und ein Zentrum für sexuelle Gesundheit.
Auch Forschung und Innovation spielen laut Hacker eine wichtige Rolle. Neue Krebsimpfstoffe, moderne Operationsroboter und digitale Gesundheitslösungen würden bereits eingesetzt. Gleichzeitig sind die Wiener Spitäler ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor. Der Wiener Gesundheitsverbund zählt mit rund 28.400 Beschäftigten in etwa 75 Berufen zu den größten Arbeitgebern der Stadt.
Bürgermeister Ludwig sprach sich für eine Reform des Gesundheitssystems aus. Er plädierte für eine bessere Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherung sowie für die Schaffung von vier überregionalen Gesundheitsregionen.