Roter Klubtag im burgenländischen Andau – und mittendrin Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Im Interview mit "Heute" sprach der Stadtchef über Zukunftstechnologien, steigende Energiepreise und den aktuellen Machtkampf im ORF.
Der Wirbel rund um den kürzlich zurückgetretenen ORF-Generaldirektor Roland Weißmann und den Machtkampf im Sender ist derzeit allgegenwärtig. Ludwig betont die Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Senders: "Der ORF ist ein ganz wichtiges Medienhaus und auch international sehr anerkannt."
Wer künftig an der Spitze stehen soll, sei für ihn klar: Nicht das Geschlecht, sondern die beste Person müsse den Job bekommen.
Trotz Turbulenzen beim ORF sieht Ludwig keine Gefahr für den Eurovision Song Contest, der im Mai in Wien stattfinden soll. Mit rund 170 Millionen TV-Zusehern weltweit zählt das Event zu den größten Kulturveranstaltungen überhaupt. "Wien wird eine sehr gute Gastgeberstadt sein, und der ORF ein verlässlicher Partner", zeigt sich Ludwig überzeugt.
Dass der SPÖ-Klubtag nicht in Wien stattfindet, hat laut Ludwig eine lange Geschichte. "Das hat eine langjährige Tradition und soll die enge Verbundenheit zwischen Wien und dem Burgenland zeigen", erklärt der Bürgermeister. Früher traf man sich etwa in Rust oder Frankenau – heuer ist erstmals die Gemeinde Andau der Gastgeber.
Und auch der Ort selbst hat Symbolkraft: Der Termin fand bei einem Winzer statt, der für seinen guten Rotwein bekannt ist. Ludwig dazu schmunzelnd: "Ein guter Roter ist immer etwas Wichtiges – nicht nur in Andau, sondern auch in Wien."
Inhaltlich ging es beim Klubtag vor allem um neue Projekte für Wien. Besonders hervor hob Ludwig ein geplantes Zentrum für Quantentechnologie. Damit will die Stadt Wien den nächsten Technologieschub nutzen. Gemeinsam mit Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen soll ein neuer High-Tech-Standort entstehen.
"Wir haben in den letzten Jahren stark in Biotechnologie und Pharmazie investiert. Jetzt wollen wir auch bei Quantentechnologie attraktive Rahmenbedingungen schaffen", so Ludwig. Das Ziel: internationale Unternehmen nach Wien holen und neue Jobs schaffen.
Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten sorgt international für steigende Öl- und Gaspreise. Für Wien bedeutet das eine Herausforderung – vor allem wegen der Fernwärme, die teilweise noch Gas benötigt.
Ludwig betont jedoch, dass Wien bereits Maßnahmen gesetzt habe: Energiebonus für Haushalte, Preisbindungen bei Energieangeboten und mehr Kontrolle der Energiemargen. "Wir versuchen alles, um preisdämpfend zu wirken", sagt der Bürgermeister. Langfristig verfolgt Wien weiterhin das Ziel: "Raus aus Gas". Alternative Heiztechnologien sollen Gas Schritt für Schritt ersetzen.