Wiens Bürgermeister Michael Ludwig fordert angesichts globaler Spannungen ein stärkeres Zusammenrücken Europas. Beim Arbeitstreffen mit EU-Kommissar Michael McGrath (Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Justiz und Verbraucherschutz) in Wien betonte er die zentrale Rolle der EU.
"Mit dem EU-Kommissar McGrath hatte ich einen sehr guten Austausch über die aktuellen weltpolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen in Europa und für Europa in der Welt. Das weltpolitische Gefüge gerät ins Wanken und bisher sicher geglaubte Partnerschaften verändern sich rasch ins Negative. Unsere Zukunft kann und wird nur ein gemeinsames Europa sein. Ein Europa, in dem alle Menschen sicher und in Freiheit leben und sich wirtschaftlich selbst verwirklichen können", so Bürgermeister Michael Ludwig am Donnerstag.
Das sei heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr, immerhin gebe es weltweit seit 2025 mehr Autokratien als Demokratien. "Unsere europäische Art des solidarischen Zusammenlebens und der sozialen Marktwirtschaft stehen unter Druck. Jetzt müssen wir mehr denn je zueinanderstehen, für Europa werben und Europa vor seinen Gegnern schützen und verteidigen", ist Ludwig überzeugt.
Das Treffen fand nur zwei Monate nach einem Besuch des EU-Kommissars für Energie und Wohnungswesen, Dan Jørgensen, statt. Damit werde, so die Stadt, Wiens Rolle als internationale Drehscheibe für Dialog und Austausch unterstrichen.
Ludwig begrüßte auch neue Handelsabkommen der EU mit Mercosur und Indien. Angesichts geopolitischer Spannungen – vom russischen Angriffskrieg bis zu wirtschaftspolitischen Konflikten mit den USA – müsse Europa neue Bündnisse stärken.
Ein weiteres Thema war der digitale Handel. Ludwig sprach sich für faire Wettbewerbsbedingungen und strengere Kontrollen im E-Commerce aus. Er begrüßte, dass die EU-Kommission bereits Verfahren gegen Online-Plattformen eingeleitet hat, die gegen europäische Regeln verstoßen.
Für den Bürgermeister ist klar: Europas Werte seien nicht verhandelbar – weder im Privatleben noch im Wirtschaftsleben.
Wien sieht sich als aktiver Mitgestalter der EU. Mit dem Wien-Haus in Brüssel, internationalen Organisationen wie IAEA, FRA oder der UNO sowie zahlreichen diplomatischen Vertretungen gilt die Stadt als bedeutender europäischer Standort.
Ludwig betonte, dass gerade Städte eine Schlüsselrolle spielen: Mehr als 300 Millionen Europäerinnen und Europäer leben im urbanen Raum – das bringe Verantwortung mit sich, die EU aktiv mitzugestalten.