Eine vermeintlich harmlose Bitte um eine Online-Abstimmung wurde für den Kärntner Gastronomen Stefan Lercher zum Ausgangspunkt einer Betrugsmasche. Kriminelle übernahmen laut "Kronen Zeitung" seinen Account und wandten sich anschließend in seinem Namen an Freunde und Bekannte.
Ausgangspunkt war eine WhatsApp-Nachricht einer Bekannten, deren Account zuvor ebenfalls gehackt worden war. Lercher erhielt darin einen Link mit der Aufforderung "Könntest du bitte für meine Tochter abstimmen".
Der Gastronom kam der Bitte nach und folgte den weiteren Anweisungen. Dadurch gelang es den Angreifern, die Kontrolle über seinen Account zu übernehmen.
Anschließend schrieben die Täter laut der Tageszeitung Lerchers Kontakte an und täuschten eine finanzielle Notlage vor. In seinem Namen verschickten sie die Nachricht: "Ich bin in finanzieller Not, brauche dringend Hilfe! Kannst du mir bitte 955 Euro überweisen?"
Während manche Empfänger misstrauisch wurden und Fragen stellten, überwiesen andere Geld. Einige sollen sogar mehrmals gezahlt haben.
Als Lerchers Handy schließlich laufend klingelte, wurde ihm das Ausmaß des Betrugs bewusst. "Ich war fassungslos", sagt der Gastronom gegenüber der "Kronen Zeitung".
Lercher berichtet in der Tageszeitung von zahlreichen Opfern: "Das ist ein Wahnsinn, was hier abgeht! Es gibt bereits mehr als 30 Geschädigte! Der Schaden beläuft sich auf einen mittleren fünfstelligen Betrag. Und auch junge Burschen haben gutgläubig Geld überwiesen"
Für den entstandenen Schaden der betroffenen Jugendlichen will der Gastronom aufkommen.
Der Wirt übt nach dem Vorfall auch Kritik an den Sicherheitssystemen der Banken. "Wenn wir 15.000 Euro in bar bei einer Bank einzahlen wollen, werden wir schief angeschaut. Und Gauner haben die Möglichkeit, ganz einfach Betrugskonten zu eröffnen?", wird er in der "Krone" zitiert.
Die Polizei warnt davor, bei derartigen Nachrichten vorschnell zu reagieren. Miriam Wellik vom Landeskriminalamt Kärnten rät in der Tageszeitung: "Zuerst denken, bevor man handelt und nicht irgendeinen Link öffnen oder Überweisungen tätigen!"
Verdächtige Nachrichten sollten hinterfragt und der vermeintliche Absender direkt kontaktiert werden. "Man sollte gleich in direkten Kontakt mit dem Absender treten – also anrufen. Im digitalen Zeitalter vergisst man, dass man miteinander telefonieren kann!"
Laut Wellik handelt es sich um professionell organisierte Kriminelle. "Das Ganze hat bereits Konzerncharakter", sagt sie zur "Krone".
In den meisten Fällen seien die Täter im Ausland und ihre Spuren nur schwer zurückzuverfolgen. Allerdings gebe es solche Gruppen inzwischen auch hierzulande. "Aber mittlerweile finden sich solche Banden auch in Österreich wieder", so Wellik.
Die klare Empfehlung nach verdächtigen Geldforderungen über WhatsApp: Nicht einfach antworten oder überweisen, sondern den angeblichen Absender direkt anrufen.