Der Gründer der "Kakerlaken"-Protestbewegung (CJP) in Indien ist nur einen Tag nach seiner Festnahme wieder auf freiem Fuß. Abhijeet Dipke war am Samstag im Vorfeld geplanter Massenproteste in Neu-Delhi gemeinsam mit zwei Mitstreitern festgenommen worden.
Wie seine Anwältin Ratna Singh am Sonntag mitteilte, ordnete ein Gericht die Freilassung der drei Männer an. Allerdings unter einer Auflage: Sie dürfen ein Jahr lang nicht die öffentliche Ordnung stören.
Die vor allem von jungen Menschen unterstützte Bewegung hatte für Samstag zu Massenprotesten in Neu-Delhi aufgerufen. Ihr Ziel ist der Rücktritt des Leiters der staatlichen Wahlkommission, Gyanesh Kumar.
Die Behörden versuchten, die geplante Großkundgebung mit einem massiven Polizeiaufgebot zu verhindern. Zahlreiche Straßen wurden gesperrt, Sicherheitskräfte gingen gegen Demonstranten vor.
Nach Angaben der CJP wurden Tausende Menschen festgenommen. Die genaue Zahl lässt sich unabhängig nicht bestätigen.
Der ungewöhnliche Name geht auf eine Äußerung von Indiens oberstem Richter Surya Kant zurück. Dieser hatte im Mai im Zusammenhang mit einem Verfahren über gefälschte Abschlüsse junge Menschen mit Kakerlaken und Parasiten verglichen.
Später stellte er klar, dass seine Aussage nicht gegen die gesamte Jugend gerichtet gewesen sei. Dipke griff den umstrittenen Vergleich auf und gründete die "Cockroach Janta Party" (CJP). Aus dem ursprünglich satirischen Protest entwickelte sich eine große Jugendbewegung.
Hintergrund der Proteste ist eine umstrittene Überprüfung der Wählerverzeichnisse. Laut Medienberichten wurden dabei bereits mehr als 133 Millionen Namen aus den Listen gestrichen.
Die Wahlkommission erklärt, sie wolle doppelte Einträge und nicht wahlberechtigte Personen entfernen. Die Opposition wirft den Behörden hingegen vor, Millionen Menschen um ihr Wahlrecht zu bringen.
Besonders betroffen seien laut Kritikern Angehörige von Minderheiten, darunter viele Muslime. Die Änderungen könnten der Regierungspartei BJP von Premierminister Narendra Modi bei künftigen Wahlen zugutekommen.
In Indien, der bevölkerungsreichsten Demokratie der Welt, wächst damit die Sorge um die Fairness künftiger Wahlen.