Infekt vs. Corona bei Kindern - das ist der Unterschied

Ein Sommerinfekt und eine Corona-Erkrankung haben fast idente Symptome.
Ein Sommerinfekt und eine Corona-Erkrankung haben fast idente Symptome.Getty Images
Die Symptome bei einer Corona-Infektion und anderen viralen Infekten sind praktisch ident. Zwei Experten erklären, wie man den Unterschied erkennt.

Wer ein Kind hat, kann momentan wahrscheinlich ein Lied davon singen: Die Sommer-Infekte sind da. Seit Ende des Lockdowns und den Lockerungen der Maßnahmen suchen sich die Viren wieder ihre Wirte. Die Folge: Ganze Kindergarten-Gruppen fallen aus, weil alle zu Hause ihre Infektion auskurieren.

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Dr. Peter Voitl ist Leiter des Ersten Wiener Kindergesundheitszentrums Donaustadt. Im Interview mit „Heute“bestätigt er aktuell ein vermehrtes Auftreten von Sommerinfekten in seiner Ordination. „Die Viren waren die ganze Zeit über startklar und jetzt, mit Ende der Lockerungen, haben sie freie Bahn“. Der Kinderarzt befürchtet zudem einen starken Influenza-Winter.

Dr. Reinhold Kerbl ist Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde und Vorstand der Abteilung für Kinder und Jugendliche am Landeskrankenhaus Leoben. Auch er kann eine erhöhte Zahl an Viruserkrankungen bei (Klein-)Kindern feststellen. "Aktuell sehen wir relativ viele Infektionskrankheiten, mit teils verschiedenen Viren, die für diese Saison eigentlich untypisch sind. Viruserkrankungen, die normalerweise im Winter verbreitet sind, tauchen jetzt vermehrt auf". Man kenne dieses Phänomen aus Westaustralien, wo in der letzten Sommersaison sogar eine kleine Influenza-Grippewelle aufgetreten war. 

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Den Unterschied erkennen

Husten, Schnupfen, Fieber – alles Symptome einer umgangssprachlichen „Sommergrippe“, aber auch Symptome einer potenziellen Corona-Infektion. Nach neuesten Erkenntnissen äußert sich die Delta-Variante auf die gleiche Weise. Am häufigsten klagten die von der Delta-Variante Betroffenen über Kopfschmerzen, eine laufende Nase sowie rauen Hals und raue Kehle. Zwar gehöre laut Studie Fieber noch immer zur Symptomatik, allerdings sei der Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn, der bislang als typisches Corona-Symptom galt, seltener. Die Symptome ähneln damit den Beschwerden einer herkömmlichen Erkältung, was zu Verwechslungen führen kann.

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Uneinheitliches Symptombild

Dr. Kerbl dazu: "Bei Kindern sind die Symptome relativ uneinheitlich. Meistens treten Fieber, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen, Durchfall oder Erbrechen auf. Und auf den ersten Blick lassen sich diese Symptome meistens nicht von einem harmlosen Sommer-Infekt unterscheiden". 

„Anhand der Anamnese kann der Kinderarzt bereits erkennen, ob es sich möglicherweise um eine Corona-Infektion handeln könnte oder nicht. Zudem haben (Klein-)Kinder andere Symptome als Erwachsene", ist Dr. Voitl anderer Meinung.

Ist der Verdacht einer Corona-Infektion tatsächlich gegeben, wird getestet. Entweder mittels Gurgeln oder Rachenabstrich, wenn das Kind noch nicht gurgeln kann oder will. „Das kommt weniger auf das Alter des Kindes, sondern auf den Entwicklungsstand an. Es gibt Eltern, die üben mit ihrem Kind das Gurgeln mit Wasser, was im Falle eines nötigen Tests natürlich praktisch ist“, so Voitl.

'Wenn Sie Ihr Kind schützen wollen, schützen Sie sich'"

Hohe Fallzahlen im Herbst und Winter erwartet

Er selbst diagnostiziere in seiner Praxis nicht viele Kinder mit Corona, erzählt Pädiater Voitl. Ebenso ist an seiner Klink in den letzten drei Wochen kein einziger Fall bei Kindern diagnostiziert worden, verrät Dr. Kerbl. Das wäre aber auch nicht verwunderlich, denn schließlich sei die Häufigkeit der Fälle pro Tag in den letzten Wochen verschwindend gering gewesen.  "Im Frühjahr hatten wir 20-30 Fälle“, ergänzt er. Kerbl erwartet jedoch auch auf seiner Abteilung wieder Fälle, wenn die Inzidenz nun wieder ansteigt: "Wir werden im Herbst und im Winter wahrscheinlich die mit Abstand höchsten Zahlen bei Kindern und Jugendlichen haben, weil in dieser Altersgruppe keiner geimpft ist und diese Altersgruppe dadurch ungeschützt ist. Daher rät Kerbl speziell den Eltern, sich impfen zu lassen. "Kinder bekommen die Infektion großteils über familiäre Kontakte. Daher rate ich allen Eltern: 'Wenn Sie Ihr Kind schützen wollen, schützen Sie sich'".

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"Kinder fordern die Impfung teilweise ein, aber viele Eltern stellen sich (noch) dagegen"

Lollipop-Tests sind in seiner Praxis nicht in Verwendung, da sie sehr fehleranfällig seien. Voitl rät Eltern, die ihre (Klein-)Kinder testen wollen, entweder zum Gurgel-Test oder einen PCR-Rachenabstrich beim Kinderarzt machen zu lassen. Kleine Kinder regelmäßig zu testen, wie es etwa Erwachsene tun sollten, ist in keiner Leitlinie vorgesehen. "Daher bin ich dafür, nur symptomatische Kinder zu testen. Denn hat ein Kind Corona, aber keine Symptome, ist es normalerweise auch kein Super-Spreader“, so Kerbl. Ist das Kind 12 Jahre oder älter, gilt die klare Empfehlung beider Ärzte zur Impfung. Das neue Impfangebot für Kinder ab 12 Jahren werde laut Kerbl noch nicht so gut in Anspruch genommen, wobei das wahrscheinlich mehr an der Skepsis der Eltern als an den Kindern liege. "Die Kinder fordern die Impfung teilweise ein, aber viele Eltern stellen sich (noch) dagegen. Ich glaube dass wir da noch viel Aufklärungsarbeit leisten müssen, bei der wir auch auf die Bedenken von Eltern eingehen müssen".

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