Neue Studie

Invasive Riesen bedrohen unsere Seen

93 große invasive Tierarten leben weltweit in Süßgewässern. Jede zweite davon richtet Schäden an - oft mit Folgen für Umwelt und Menschen.
Technik Heute
10.03.2026, 14:12
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Flusspferde in Kolumbien, riesige Welse in europäischen Flüssen, Nilbarsche im Viktoriasee: Zum ersten Mal haben Wissenschaftler eine weltweite Bestandsaufnahme invasiver Großtiere in Seen und Flüssen durchgeführt. Das Ergebnis ist alarmierend.

Das Forscherteam um Fengzhi He vom Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie identifizierte insgesamt 93 Megafauna-Arten ab 30 Kilogramm Körpergewicht, die außerhalb ihres natürlichen Lebensraums in Süßgewässern eingeführt wurden. Das entspricht 43 Prozent aller 216 existierenden Arten.

Wie spektrum.de berichtet, sind 142 Länder auf allen Kontinenten außer der Antarktis betroffen. Die USA führen die Liste mit 52 invasiven Großtierarten an, gefolgt von China (28), Kanada (23), Russland (19) und Belgien (18). Auch Deutschland zählt 17 solcher Arten in seinen Gewässern.

Nilbarsche vernichteten ganze Fischbestände

Besonders problematisch: Von jenen 59 gebietsfremden Großtieren, für die ein wirtschaftlicher Nutzen dokumentiert ist, haben 26 auch negative Auswirkungen - also fast die Hälfte. Betroffen sind vor allem große Fischarten wie Karpfen, Lachsartige und Welse.

Ein drastisches Beispiel liefert der Viktoriasee: In den 1960er Jahren wurden dort Nilbarsche angesiedelt, um die Fischerei anzukurbeln. Stattdessen schrumpften die Bestände einheimischer Fische massiv. Viele Fischer verloren ihre Lebensgrundlage, die chronische Unterernährung bei Kindern und Müttern in den umliegenden Gemeinden stieg.

"Solche schädlichen Auswirkungen eingeführter großer Süßwassertiere - vornehmlich auf gefährdete oder marginalisierte lokale Gemeinschaften - sind oft komplex und erfordern eine langfristige Beobachtung, um ihr Ausmaß zu verstehen", erklärte Studienleiter He.

Escobars Flusspferde als Sonderfall

Auch Gefahren für die menschliche Gesundheit nennt die Studie als Risiko. So wurden in Deutschland und Frankreich bereits Verletzungen durch den aus Südamerika stammenden giftigen Pfauenaugen-Stechrochen dokumentiert, der bei Hobby-Aquaristen beliebt ist.

Ein besonderer Fall sind die Flusspferde in Kolumbien: Drogenboss Pablo Escobar ließ 1981 vier Exemplare für seinen Privatzoo nach Medellin bringen. Nach seinem Tod 1993 breiteten sich die afrikanischen Tiere aus. Mittlerweile leben rund 100 Flusspferde am Rio Magdalena - eine Touristenattraktion, aber auch eine echte Gefahr für die Bevölkerung. Die Forscher gehen davon aus, dass die Einführung invasiver Großtiere wegen erhoffter wirtschaftlicher Vorteile weiter zunehmen wird.

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