Seit Jahren sorgt ein geplantes Denkmal für den polnischen König Jan III. Sobieski auf dem Kahlenberg für politische Kontroversen. Nun flammt die Debatte erneut auf – und kommt diesmal direkt aus diplomatischer Richtung.
Bereits 2013 gab es erste Pläne für eine Statue, 2018 wurde das Projekt genehmigt, später jedoch wieder gestoppt. Ende 2024, nur wenige Monate vor der Wien-Wahl im April 2025, erteilte Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) dem Denkmal schließlich eine vorerst endgültige Absage. Kritik daran kam damals von ÖVP und FPÖ.
Die Stadtregierung argumentierte damals, Wien werde "keine Bühne errichten, die für ausländerfeindliche Hetze sowie islamfeindliche oder antitürkische Ressentiments instrumentalisiert werden kann". Kaup-Hasler berief sich dabei auf wissenschaftliche Einschätzungen und den zeitgebundenen Charakter moderner Denkmalsetzungen.
Jan III. Sobieski (1624–1696)
Am 12. September 1683 führte Sobieski sein Einsatzheer bei der zweiten Türkenbelagerung durch das osmanische Reich an und siegte bei der Schlacht am Kahlenberg. Sobieski ist einer der bedeutensten Könige in der polnischen Geschichte und gilt für viele als der "Retter Wiens".
Nun meldet sich die polnische Botschaft in Wien zu Wort – mit deutlichen Worten. "Die Stadt Wien hat uns das Denkmal versprochen", sagt der polnische Botschafter Zenon Kosiniak-Kamysz zu "Heute". Die Sobieski-Statue sei bereits fertiggestellt und stehe derzeit in Polen. Ziel sei es, das Denkmal endlich am Kahlenberg zu errichten.
Der polnische Botschafter widerspricht der Wiener Kulturpolitik klar: "Das 21. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Denkmäler", betont er. Zur Untermauerung verweist er auf bestehende Erinnerungsorte in Wien – etwa ein Denkmal für den kommunistischen Revolutionär Che Guevara oder eine Stalin-Gedenktafel.
Die Stadt Wien wiederum argumentiert, dass es am Kahlenberg bereits ein Sobieski-Denkmal gebe. Diese Darstellung lässt der Botschafter aber nicht gelten. "Das ist doch nur ein Sockel, die Inschrift ist kaum lesbar", kritisiert Kosiniak-Kamysz im "Heute"-Talk.
Der polnische König gilt immerhin als zentrale Figur bei der Zweiten Türkenbelagerung 1683. "Sobieski hat es sich verdient, in Wien verewigt zu werden. Ohne Sobieski hätte die Geschichte Wiens anders ausgesehen. Man kann seinen Einfluss nicht einfach ausradieren." Aus polnischer Sicht sei seine historische Rolle in Wien nicht ausreichend gewürdigt.
Das Fazit des Botschafters fällt klar aus: "Die Stadt Wien ist Sobieski etwas schuldig. Wir sind bereit, die Gespräche erneut aufzunehmen, um ihn in Wien entsprechend zu würdigen."
"Ein Dialog auf inhaltlicher und kultureller Ebene ist jederzeit willkommen", erklärt die Geschäftsgruppe Kultur und Wissenschaft der Stadt Wien auf "Heute"-Nachfrage. Der Erinnerung an die historische Rolle Jan III. Sobieskis komme in Wien große Bedeutung zu. Diese Würdigung sei im Stadtbild auf "vielfältige und sichtbare Weise" verankert – etwa am Kahlenberg, der Sobieskigasse oder dem Sobieskiplatz. "In der Gesamtheit bringen diese Orte die hohe Wertschätzung Wiens für Sobieski und seine Bedeutung für die europäische Geschichte zum Ausdruck."
Die Diskussion über das Denkmal sei sorgfältig mit verschiedensten Partnern geführt worden. "Eine von der Stadt beauftragte österreichisch-polnische Expertengruppe hat empfohlen, zeitgemäße Formen des Gedenkens zu wählen, die den historischen Kontext differenziert darstellen und den Fokus auf gemeinsame Verantwortung und Verständigung legen", heißt es.
"Die Stadt Wien versteht Erinnerungskultur als einen lebendigen, dialogischen Prozess und bekennt sich weiterhin zu einem respektvollen Austausch mit internationalen Partnern", betont man abschließend.
Die ÖVP kritisiert das Vorgehen der Stadtregierung. "Dass am Kahlenberg seit Jahren ein leerer Sockel in die Höhe ragt, ist eine peinliche Farce der SPÖ-Neos-Stadtregierung. Dieses würdige Gedenken muss endlich vollendet werden", so Jan Ledochowski, Beauftragter für Christdemokratie in der ÖVP Wien.
Polnische Vereine schlagen als Alternative vor, den Wanderweg beim Kahlenberg in "Sobieski-Promenade" umzubenennen. So könnte ein Wissensweg mit hohem pädagogischem Mehrwert entstehen, Geschichte lebendig vermittelt und ein Ort der Bildung und Begegnung geschaffen werden.