Immer mehr Antisemitismus

Botschafter warnt – Links viel gefährlicher als Rechts

Israels Botschafter warnt vor wachsendem linken Antisemitismus in Deutschland und sieht darin eine besondere Gefahr für jüdisches Leben.
Newsdesk Heute
09.11.2025, 16:24
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, warnt zum Jahrestag der antijüdischen Pogrome 1938 vor linkem Antisemitismus in Deutschland.

Für ihn ist dieser gefährlicher als jener von rechts und sogar gefährlicher als islamistischer Antisemitismus, "weil er seine Absichten verschleiert", sagt Prosor den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

In Deutschland "weiß man im politischen und juristischen Bereich sehr gut, wie man den Antisemitismus von rechts bekämpft". Der islamistische Antisemitismus sei "brandgefährlich", weil er die demokratische Ordnung wie ein trojanisches Pferd unterwandere. "Damit lernt man jedoch umzugehen".

"Grenze inzwischen deutlich überschritten"

Der linke Antisemitismus hingegen bewege sich "immer an der Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Aufhetzungsfreiheit – und hat diese Grenze inzwischen deutlich überschritten", betont Prosor. Für ihn ist daher der linke Antisemitismus der gefährlichste.

In Europa zeigt sich linker Antisemitismus laut Prosor besonders an Hochschulen und Theatern. "Man gibt sich gebildet, moralisch und politisch korrekt. Aber die rote Linie dessen, was von der Meinungsfreiheit gedeckt ist, ist längst überschritten".

Israel werde Tag für Tag dämonisiert und delegitimiert, das spüren alle Juden, so der Botschafter. Noch sei es ein Skandal, wenn ein israelischer Dirigent von einem Festival in Belgien ausgeladen werde, "doch die Räume des Sagbaren verschieben sich".

"Seit Jahrzehnten eingeübte Abwehrreflexe"

Auch der ehemalige deutsche Bundespräsident Joachim Gauck äußerte sich im "Tagesspiegel" vom Samstag zu dem Thema. Deutschland habe "seit Jahrzehnten eingeübte Abwehrreflexe gegenüber Rechts - das ist gut". Die Auseinandersetzung mit Antisemitismus etwa aus dem arabischen Raum sei hingegen lange vernachlässigt worden. Dort könne es "völlig normal" sein, mit antisemitischen Vorstellungen aufzuwachsen.

Gauck sprach auch den linken Antisemitismus an. Darüber hätten manche in Deutschland Probleme zu sprechen, sagte er dem "Tagesspiegel". Aber "egal wo Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit herrühren: Wir brauchen mehr Entschlossenheit beim Schutz der Menschenwürde".

Negative Haltungen würden nicht einfach verschwinden - "egal ob sie bodenständig sächsisch und thüringisch oder arabisch und türkisch sind. Wir müssen uns mit denen auseinandersetzen, die Hass zu einem Teil ihres Lebens gemacht haben."

{title && {title} } red, {title && {title} } 09.11.2025, 16:24
Jetzt E-Paper lesen