Alkohol & Schwangerschaft

Jeder Tropfen Alkohol schadet dem Baby

Schon geringe Mengen Alkohol in der Schwangerschaft können beim Ungeborenen schwere Schäden verursachen. Experten warnen: Kein Glas ist sicher.
Technik Heute
03.03.2026, 12:15
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Wenn Gisela Michalowski einen Auflauf zubereitete, rannte ihre Pflegetochter jedes Mal zum Ofen und verbrannte sich die Zunge. "Und ich habe gedacht: Das musst du doch irgendwann lernen", erzählt die Pflegemutter. Doch das Kind lernte es nie. Der Grund: eine fetale Alkoholspektrumstörung, kurz FASD.

Unter diesem Begriff werden alle Schäden zusammengefasst, die bei Kindern entstehen, deren Mütter in der Schwangerschaft Alkohol getrunken haben. Rund zwei Prozent aller Kinder sollen betroffen sein. Damit wäre FASD die häufigste angeborene chronische Erkrankung - häufiger als Trisomie 21.

Wie spektrum.de berichtet, gelangt Alkohol ungehindert über die Plazenta in den Blutkreislauf des Ungeborenen. "Von dort kann er alle Zellen des Fötus schädigen und die Organentwicklung beeinträchtigen", erklärt die Ärztin Mirjam Landgraf. Besonders gefährdet ist das sich entwickelnde Gehirn, da der Fötus kaum Enzyme zum Abbau von Alkohol besitzt.

Typische Merkmale und lebenslange Folgen

Viele betroffene Kinder zeigen typische Gesichtsmerkmale: eine verkürzte Lidspalte, eine schmale Oberlippe und ein kaum sichtbares Philtrum - also die Rinne unter der Nase. Dazu kommen Hirnschäden, die sich in Epilepsie, Lern- und Konzentrationsproblemen oder Intelligenzminderung äußern können.

Im Erwachsenenalter bestehen die Probleme fort. Menschen mit FASD brechen häufiger die Schule ab, werden öfter straffällig und haben ein erhöhtes Risiko für Süchte und psychische Störungen. Auch die Lebenserwartung ist reduziert - unter anderem wegen häufigerer Unfälle und eines höheren Suizidrisikos.

Diagnose oft erst nach Jahren

Wie schwierig die Diagnose sein kann, zeigt der Fall von Nadja Hansen. Sie war bereits 33 Jahre alt, als sie erfuhr, was hinter ihren Problemen steckt. Lange wurde bei ihr fälschlich Borderline diagnostiziert. "Mir ist ein Riesenstein vom Herzen gefallen, weil ich endlich wusste: Okay, das ist es", beschreibt sie ihre Erleichterung.

Landgraf betont, dass viele Betroffene mit ADHS, Autismus oder Borderline fehldiagnostiziert werden. "Wenn das so ein ADHS-Plus ist, wo man das Plus nicht ordentlich greifen kann, dann bitte an FASD denken", appelliert sie an alle Ärzte und Psychologen.

Vermeidbar - aber zu wenig bekannt

Das Dramatische: FASD wäre komplett vermeidbar, wenn werdende Mütter ganz auf Alkohol verzichteten. Keine noch so kleine Menge gilt als sicher. Doch viele Frauen werden laut Landgraf sogar von Fachkräften falsch beraten: "Ich kenne Hebammen und Gynäkologen, die sagen, man solle sich nicht so anstellen. Ein bisschen Alkohol schade doch nicht."

Alkohol sei die einzige Droge, bei der man sich rechtfertigen müsse, wenn man sie nicht konsumiere, betont die Ärztin. Um das zu ändern, müssten vor allem Frauenärzte und Kinderärzte besser aufklären. Betroffene wie Nadja Hansen wünschen sich, dass FASD in wenigen Jahren genauso bekannt ist wie ADHS.

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