Wenn die Temperaturen auf bis zu minus 20 Grad sinken, suchen viele Menschen nach schneller Wärme. Ein Schluck Alkohol scheint da verlockend – schließlich stellt sich oft sofort ein warmes Gefühl ein. Doch genau dieser Effekt ist gefährlich. Kälteforscher Erich Hohenauer aus Vorarlberg warnt davor, Alkohol bei extremer Kälte zu unterschätzen: "Alkohol ist ganz trügerisch. Er lässt uns die Kälte weniger stark empfinden, obwohl der Körper in Wahrheit schneller auskühlt."
Der Grund dafür liegt in der Wirkung auf die Blutgefäße. Normalerweise reagiert der Körper auf Kälte mit einem klaren Schutzmechanismus: Er zieht die Blutgefäße zusammen, um die Wärme im Körperinneren zu halten. Alkohol wirkt jedoch genau entgegengesetzt. "Bei Kälte schließt der Körper die Blutgefäße, Alkohol öffnet sie", erklärt Hohenauer im "Heute"-Gespräch. Dadurch strömt mehr warmes Blut an die Hautoberfläche, was zwar kurzfristig als angenehm empfunden wird, gleichzeitig aber den Wärmeverlust massiv erhöht.
Dieser zusätzliche Wärmeverlust kann bei extremen Temperaturen schnell gefährlich werden. "Man verliert dadurch deutlich mehr Wärmeenergie", so der Kälteforscher. Das Risiko einer Unterkühlung steigt, ohne dass Betroffene dies sofort bemerken. Besonders tückisch ist, dass Alkohol das eigene Körpergefühl verfälscht. Wer getrunken hat, fühlt sich oft widerstandsfähiger, bleibt länger draußen und ignoriert Warnsignale wie Zittern oder Taubheitsgefühle.
Gerade bei Minusgraden jenseits der 20-Grad-Marke kann diese Fehleinschätzung fatale Folgen haben. Deshalb rät Hohenauer dringend zu alkoholfreien Alternativen. "Besser ist es, warmen Tee zu trinken – auch wenn das vielleicht nicht so lustig ist", sagt er. Heiße Getränke unterstützen den Körper, ohne seine natürlichen Schutzmechanismen außer Kraft zu setzen.