Ja, frühes Aufstehen ist nervig. Besonders an Wochentagen, wenn man in die Arbeit fahren muss. Aber wenn man bedenkt, dass der Durchschnittsmensch etwa 30 Prozent seines Lebens bei der Arbeit verbringt, ist es dann nicht sinnvoll, diese Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten?
Hier kommt die Wissenschaft ins Spiel. Laut ihr sollte der Arbeitstag erst um 10 Uhr beginnen – ein früherer Beginn sei "Folter".
Das gilt auch für Kinder: Experimente zur Erforschung des zirkadianen Rhythmus legen nahe, dass Kinder im Alter von acht bis zehn Jahren nicht vor 8:30 Uhr mit der Schule beginnen sollten, während Kinder über 16 Jahren um 10:00 Uhr beginnen sollten.
Der zirkadiane Rhythmus ist deine innere Uhr, die deinen Körper jeden Tag auf "Tagmodus" und "Nachtmodus" programmiert. Er steuert, wann dein Körper wach, müde, hungrig, leistungsfähig oder bereit zum Schlafen ist – ganz automatisch.
Das "Master-Zeitgeberzentrum" sitzt im Gehirn (im Hypothalamus) und bekommt das stärkste Signal durch Licht – besonders durch Tageslicht am Morgen.
Eine neue Studie der Universität Oxford hat nämlich ergeben, dass Mitarbeiter, die gezwungen sind, vor 10 Uhr morgens mit der Arbeit zu beginnen, krank, erschöpft und gestresst sind. Vor dem 55. Lebensjahr ist der zirkadiane Rhythmus von Erwachsenen völlig aus dem Takt mit den üblichen Arbeitszeiten von 9 bis 17 Uhr, was eine ernsthafte Bedrohung für die Leistungsfähigkeit, die Stimmung und die psychische Gesundheit der Mitarbeiter darstellt.
Laut Studienautor Dr. Paul Kelley ist Schlafentzug besonders schädlich für die physischen, emotionalen und leistungsfähigen Systeme des Körpers. "Leber und Herz haben unterschiedliche Arbeitsrhythmen, und man verlangt von ihnen, sich um zwei oder drei Stunden verschieben", sagt Kelley.
Fakt ist: Der Mensch kann seinen zirkadianen Rhythmus nicht ändern. "Wir können unseren 24-Stunden-Rhythmus nicht ändern", sagte Kelly. "Man kann nicht lernen, zu einer bestimmten Zeit aufzustehen. Der Körper stellt sich auf das Sonnenlicht ein, ohne dass man sich dessen bewusst ist, da er sich nach dem Hypothalamus richtet und nicht nach dem Sehsinn."
Schon eine Woche mit weniger als sechs Stunden Schlaf pro Nacht führt zu 711 Veränderungen in der Funktionsweise der Gene im Körper. Schlafmangel ist mit einer Reihe schwerwiegender gesundheitlicher Folgen verbunden, die von Depressionen und Angstzuständen bis hin zu Herzkrankheiten, Fettleibigkeit, Bluthochdruck und Krebs reichen.
Wer also gezwungen ist, früher aufzustehen, als es dem eigenen Körper entspricht, setzt der Schlafentzug den Körper enormem Stress aus, und "Schlafentzug ist eine Folter".