Der historische Jüdische Friedhof in Wien-Währing galt lange als Ort des Verfalls. Umgestürzte Grabsteine, überwucherte Wege und Schäden aus der NS-Zeit prägten das Bild.
Jetzt gibt es einen wichtigen Meilenstein: Der älteste Teil des Friedhofs wurde vollständig saniert. Am Mittwoch wurde das mit einem Festakt gefeiert.
Seit neun Jahren arbeiten Freiwillige und Experten an der Rettung des Areals. Insgesamt wurden bisher 2.287 Grabsteine restauriert und wieder aufgestellt, wie der ORF berichtet.
Hunderte Helfer entfernten Gestrüpp und Unkraut, sicherten Grabstätten und setzten beschädigte Steine behutsam wieder zusammen. Der nun fertiggestellte Bereich umfasst rund 6.500 Quadratmeter – etwa ein Drittel des heute noch erhaltenen Friedhofs.
Der Friedhof wurde ab 1784 genutzt und war 95 Jahre lang in Betrieb. Laut Sterbebüchern wurden dort knapp 30.000 Menschen begraben.
Darunter befinden sich bekannte Namen wie Therese Kuffner, Fanny von Arnstein oder die Familie Epstein. Viele Verstorbene konnten sich allerdings keinen Grabstein leisten. Ihre Gräber waren nur mit Holz- oder Blechtafeln markiert.
Während der NS-Zeit wurde der Friedhof geschändet und teilweise zerstört. Danach verfiel das Gelände jahrzehntelang weiter.
Erst durch das sogenannte Washingtoner Abkommen verpflichtete sich Österreich später dazu, die Erhaltung jüdischer Friedhöfe finanziell zu unterstützen.
Seit 2021 kamen laut Verein rund 750.000 Euro an Fördergeldern zusammen. Dazu kamen etwa 400.000 Euro aus privaten Spenden.
Die Restaurierung soll die Geschichte sichtbar erhalten – nicht künstlich neu erschaffen. Fehlende Teile der Grabsteine werden deshalb bewusst nicht rekonstruiert. Ziel sei es laut Verein, die historischen Steine sicher aufzustellen und zerbrochene Teile möglichst gut zu verbinden.