Ein Röntgengerät auf Rädern: Der Gesundheitsdienst der Stadt Wien (MA 15) bekommt eine neue mobile Röntgeneinheit. Ab Mitte November soll der speziell ausgestattete Sattelauflieger in Betrieb gehen. Damit können Menschen direkt vor Ort auf Tuberkulose untersucht werden – etwa in Obdachloseneinrichtungen oder anderen sozialen Einrichtungen.
Der Vorteil: Die Betroffenen müssen nicht eigens eine Röntgenambulanz aufsuchen. Die Untersuchungen können rasch, unkompliziert und direkt am jeweiligen Standort durchgeführt werden. Der neue Röntgen-Auflieger ist rund zehn Meter lang und 3,2 Meter hoch. Im regulären Betrieb ist er für bis zu 200 Röntgenaufnahmen pro Tag ausgelegt.
Im Inneren befinden sich eine moderne Röntgenkabine, zwei Umkleidekabinen, ein Administrationsbereich und ein Technikraum. Zum Einsatz kommt ein digitales Röntgensystem mit Flachdetektor. Eine Besonderheit ist die Möglichkeit zur Echtzeit-Befundung. Dadurch können bei einem entsprechenden Verdacht unmittelbar weitere medizinische Abklärungen veranlasst werden.
Die neue mobile Einheit kann allerdings mehr als nur Röntgenaufnahmen durchführen. Dank verschiebbarer Modulwände lässt sich der Innenraum flexibel an unterschiedliche Anforderungen anpassen. So kann der Sattelauflieger bei Bedarf auch als Impf- oder Teststraße eingesetzt werden. Im Fall einer Pandemie könnten darin laut Stadt Wien rund 27 Personen pro Stunde geimpft werden.
Hauptaufgabe der neuen Röntgeneinheit ist die Tuberkulosevorsorge. Bei Tuberkulose handelt es sich um eine bakterielle Infektionskrankheit, die meist die Lunge betrifft und über die Luft übertragen werden kann. Die MA 15 führt regelmäßig Untersuchungen bei Menschen durch, die aufgrund ihrer Lebensumstände einem erhöhten Tuberkuloserisiko ausgesetzt sind.
Wird eine Tuberkuloseerkrankung festgestellt, prüft die Gesundheitsbehörde auch, ob Menschen im näheren Umfeld einem möglichen Infektionsrisiko ausgesetzt waren. Bei diesen sogenannten Umgebungsuntersuchungen können größere Personengruppen betroffen sein.
Die neue mobile Röntgeneinheit kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Tuberkulosefälle in Wien wieder zunehmen. Laut Gesundheitsdienst der Stadt Wien stiegen die Neumeldungen 2025 gegenüber dem Vorjahr um 11,6 Prozent – es waren mehr Männer als Frauen betroffen. Österreichweit registrierte die AGES im vergangenen Jahr 384 Tuberkulosefälle.
Wien war mit 7,7 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner – also hochgerechnet mit rund 157 Fällen – das am stärksten betroffene Bundesland. Österreichweit lag dieser Wert bei 4,2. Die MA 15 führte 2025 rund 13.000 Lungenröntgen-Untersuchungen durch, im laufenden Jahr liegt die Zahl derzeit bei 11.000 Untersuchungen. Davon entfallen ungefähr 27 Prozent auf die mobile Röntgeneinheit.