Benjamin Karl hat bewegte Monate hinter sich. Erst holte der Wahl-Osttiroler in Livigno sensationell das zweite Olympia-Gold, dann trat er ab, wollte sich künftig dem Radsport, genauer gesagt dem Cyclocross, verschreiben und dort 2030 auf Olympia-Medaillenjagd gehen. Wenig später sorgte er mit kontroversen Aussagen über die Beziehung zu seiner Frau Nina für Aufsehen. Cyclocross wurde schließlich nicht ins Olympia-Programm aufgenommen und Karl vollzog mit 40 Jahren die Kehrtwende. Er will es noch einmal als Snowboarder wissen.
"Ich bin, so ehrlich muss ich sein, eher der radelnde Snowboarder als der snowboardende Radler", erklärte Karl nun gegenüber der "Tiroler Tageszeitung" seinen unerwarteten Sinneswandel und die Rückkehr zum Snowboard-Spitzensport.
Im Sommer hatte sich Karl bei einem Rad-Sturz am Wörthersee das Schlüsselbein gebrochen. "Dann sagte ich mir: ,Benni, wie viele Watschen brauchst du noch?'", erzählte Karl weiter. Er sei um 3 Uhr nachts dann aufgewacht und habe seiner Frau Nina von den Comeback-Plänen erzählt. "Die reagierte fast erleichtert, dass ich beim Snowboarden bleibe", erzählte der Doppel-Olympiasieger und Gewinner von 24 Weltcuprennen. Sie habe ihm aber geraten, noch eine Nacht darüber zu schlafen. Seine Entscheidung stand fest: "Ich darf den geilsten Job der Welt machen, das wurde mir in dem Moment bewusst."
Die Rückkehr in den Snowboardsport hat nicht jedem geschmeckt, das zeigten auch die Reaktionen einiger Teamkollegen in der "Krone". "Ich sehe es nicht positiv", sagte etwa Teamkollege Andreas Prommegger, und Alexander Payer legte nach: "Die Teamchemie ist in Gefahr." "Wenn jemand so viele Jahre wie ich im Snowboardzirkus dabei ist und über einen so langen Zeitraum immer wieder mit denselben Menschen zu tun hat, dann gibt es Baustellen und unterschiedliche Meinungen", wischte Karl diese kritischen Stimmen beiseite. Mit einigen Tagen Abstand wolle sich der Snowboard-Star nun nicht äußern, sondern "zum positiven Teamklima beitragen und versuchen, die Jungen zu unterstützen." Es bleibe aber "Raum für Gespräche", man sei ja viel gemeinsam unterwegs, meinte Karl.
Dass es gerade auch in Social Media viele kritische Stimmen gegeben hatte, beschäftigte Karl jedoch sehr. "Ich würde mir wünschen, dass mir die Leute manchen Fehltritt verzeihen können. Der Shitstorm, der Hass, lässt mich nicht kalt", meinte der 40-Iährige. Er habe aber auch "gelernt, damit umzugehen."
Auslöser waren Podcast-Aussagen Karls, ihm wurde ein "veraltetes Frauenbild" nachgesagt, was der Sport-Star und Doppel-Olympiasieger nicht ganz beiseiteschob. Es sei "wichtig, dass jeder innerhalb seiner Familie einen Weg findet, der zu einem gemeinsamen Ziel führt". Menschen würden sich entwickeln, ebenso die Ziele. "Und manchmal sprühen dabei Funken. Was mich aber freut, ist, dass Nina und ich immer wieder einen gemeinsamen Weg finden. Dafür bin ich auch dankbar", so Karl.
Karl selbst hatte immer wieder kritische Töne gegenüber dem Österreichischen Skiverband angeschlagen, sieht dies nun anders. Er habe als Zehnjähriger mit dem Sport begonnen, habe viel als "selbstverständlich" hingenommen, habe nun aber "eine andere Sichtweise auf manches gewonnen. Etwa, dass der Verband alles organisiert, dass im Büro für uns Sportler gearbeitet wird."