"Ich bin gegen Feiertage. Die Menschen sollten wieder mehr in die Hände spucken fürs Bruttosozialprodukt." Bereits am Sonntag nach seiner Gold-Fahrt ließ Benjamin Karl im ORF-Interview mit markigen Aussagen aufhorchen.
Am Montag legte er im Gespräch mit Rainer Pariasek noch einen drauf. "Alle sagen, Usain Bolt war der Sympathischste und alle haben ihn geliebt – dabei war er das gleiche arrogante Arschloch wie ich. Wie alle guten Sportler eigentlich", erklärte Karl.
Hintergrund: Der Niederösterreicher hatte erklärt, dass er sich am Tag vor dem Olympia-Rennen eine Doku über den Sprint-Weltrekordler angesehen hatte.
"Du kannst kein Durchschnittstyp sein und Dinge leisten, die fast unmöglich erscheinen. Du musst an dich glauben, du musst daran glauben, dass du es schaffst. Bei der Olympia-Einkleidung wurde ich gefragt, wer die größten Chancen auf Gold hat. Ich sagte, das bin natürlich ich. Man muss einfach stark an sich glauben, das will ich auch der Jugend weitergeben, anders schaffst du es nicht."
Nachsatz: "Ich bin nicht mit Absicht anders, aber ich will mich nicht verstellen."
Danach ließ Karl bezüglich seiner sportlichen Zukunft aufhorchen. Ursprünglich war geplant, dass nach der Saison Schluss ist. Zumindest mit Snowboarden. Denn der ÖSV-Star verfolgt spannende Pläne. "So lustig und absurd es klingt, aber Cyclocross reizt mich. Da fährt man mit einem Gravelbike einen Offroad-Parcour, man fährt ein paar Runden, es geht bergauf und bergab, es gibt paar Hindernisse, meist im größten Gatsch. In Belgien schauen bei den Bewerben zigtausende Menschen zu."
Karl weiter: "Die Sportart wird vielleicht olympisch – sie wird im Winter ausgetragen und soll daher zu Winter-Olympia kommen. Das wäre witzig. Da geht es mir dann aber nicht ums Gewinnen, aber nur dabei zu sein und sich zu qualifizieren wäre genial."
Der Snowboarder wurde von Pariasek auch zu seinem extravaganten Jubel befragt – Karl jubelte "oben ohne", wie einst Hermann Maier. "Die Reaktionen waren gut, es ist bis nach New York gegangen. Ich war sogar auf der Titelseite vom Guardian. Aber ich habe es nicht für die Außenwelt gemacht, sondern für mich. Ich habe mir 25 Jahre Zeit gelassen für die Pose – Maier hat das 2001 gemacht."
Mit dem "Herminator" habe es sogar Kontakt gegeben. "Ich hab ihm das geschickt, er hat es eh mitbekommen, wir haben kurz geschrieben, es war sehr nett."