Österreichweit hat die Finanzpolizei einen der größten Fälle von Registrierkassen-Manipulation im Gastgewerbe aufgedeckt. Dabei sollen zahlreiche Lokale und Cafés Millionen an Steuern hinterzogen haben, wie die ORF-"ZIB" berichtet. Laut offiziellen Angaben sind die Ermittlungen noch im Gange, doch die Dimension des Betrugs ist bereits jetzt enorm. Bei einer konzertierten Aktion fanden mehr als 50 Hausdurchsuchungen in mehreren Bundesländern statt.
Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark und Burgenland waren betroffen. Die Finanzpolizei durchsuchte Betriebe und Privatadressen der Verdächtigen. Laut Ministerium liegt der mutmaßliche Schaden im zweistelligen Millionenbereich. Insbesondere Barumsätze sollen bewusst "unsichtbar" gemacht worden sein. Dazu wurden die Registrierkassen so manipuliert, dass Einnahmen vor der Meldung an das Finanzamt verschwanden.
Interessant: Verantwortlich für die manipulierten Systeme soll der Hersteller der Kassen-Software sein. Der Mann wurde zwar festgenommen, befindet sich aber mittlerweile nicht mehr in U-Haft. Die Ermittler prüfen nun, ob noch weitere Beteiligte in das komplexe Netz des Betrugs eingebunden sind. Beamte beschlagnahmten bei der Razzia unter anderem Kassencomputer, USB-Sticks, Smartphones und Unterlagen. Diese werden nun ausgewertet.
Für Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) ist klar: Dieser Betrug untergrabe das Vertrauen in Staat und Wirtschaft und schade gleichzeitig den Gastronomen, die ihre Steuern ehrlich abführen. Er kündigte strengere Kontrollen und härtere Sanktionen an, um ähnliche Fälle in Zukunft zu verhindern. Man gehe "konsequent gegen schwarze Schafe und den organisierten Betrug vor", so Marterbauer.
Noch ist unklar, wie viele Personen tatsächlich in das Betrugssystem verstrickt waren. Die Finanzpolizei geht jedoch davon aus, dass weitere Verdächtige ins Visier der Ermittler geraten könnten. Die Auswertung der sichergestellten Daten soll in den nächsten Wochen Klarheit bringen. Der Hersteller der Kassen-Software soll übrigens geständig sein und den Ermittlern die Manipulation erklärt haben. Nun dürften noch weitere Gastronomen zittern.