Seit drei Jahren lebt Patrick V. in seiner kleinen 30-Quadratmeter-Wohnung in Wien-Liesing ohne Heizung und Warmwasser. Was für viele unvorstellbar klingt, ist für den Sänger und Künstler bitterer Alltag geworden.
Alles begann mit einer saftigen Nachzahlung. Sein Fernwärmeverbrauch war zunächst sehr niedrig eingeschätzt worden, erzählt er. Am Jahresende folgte dann der Schock: Über 3.000 Euro sollte er nachzahlen.
"Das war für mich unmöglich", erzählt Patrick. "Ich habe sofort 1.000 Euro bezahlt, aber für den Rest wollte Wien Energie Raten von über 700 Euro im Monat. Das war mit Miete und allen anderen Kosten einfach nicht machbar." Die Fernwärme wurde abgedreht. Seitdem muss der 62-Jährige ohne Warmwasser und Heizung auskommen.
"Ich habe mir einen großen Topf besorgt", berichtet er. "Darin koche ich Wasser und verwende es zum Duschen." In den kalten Wintermonaten hilft er sich mit einem elektrischen Heizkörper.
Zuletzt arbeitete der Künstler im Handel, verlor seinen Job jedoch im Zuge von Sparmaßnahmen. "Wir waren fünf Mitarbeiter, die gekündigt wurden", sagt er. Seitdem sucht er vergeblich nach einer neuen Anstellung.
Verzweifelt wandte sich Patrick schließlich an den Verein Geko. Dieser bietet in Simmering mit dem neuen Projekt "Seelen Oase" einen Ort für Austausch und niederschwellige Beratung in rechtlichen, finanziellen und gesundheitlichen Angelegenheiten an. Dort erhält der Wiener Unterstützung vom Vereinsgründer Gernot Klopcic, ehemaliger Richter am Verwaltungsgericht Wien. Für Klopcic ist der Fall ein sozialpolitischer Missstand: "Es kann nicht sein, dass jemand, der nicht zahlen kann, im Jahr 2026 wie im 18. Jahrhundert leben muss."
Wien Energie begründet die hohen Nachforderungen mit einem deutlich überdurchschnittlichen Verbrauch des Mieters: Die Raumheizung lag bei mehr als dem 2,5-Fachen des Hausdurchschnitts, der Warmwasserverbrauch etwa beim Dreifachen eines durchschnittlichen Personenverbrauchs. Für die Jahresabrechnung 2021 wurden dann über 3.000 Euro fällig, die laut Wien Energie "bis heute nicht vollständig beglichen wurden".
Zudem seien laufende Akontozahlungen wiederholt ausgeblieben oder unvollständig erfolgt. "Der Rückstand beläuft sich aktuell auf etwa 2.030 Euro (exklusive Anwalts- und Gerichtskosten", heißt es gegenüber "Heute". Trotz mehrerer Mahnungen, Gespräche sowie der Einbindung der Ombudsstelle und sozialer Einrichtungen kam es 2022 und 2025 zu erfolgreichen Mahnklagen. Die Fernwärmeversorgung wurde Ende September 2022 nach rund eineinhalb Jahren offener Forderungen eingestellt. Zuletzt suchte Wien Energie gemeinsam mit der MA40 und einer Sozialeinrichtung erneut nach einer Lösung und bot Patrick heuer im April Unterstützung bei der Begleichung der Schulden an.