Ein weiteres Tötungsdelikt in einer heimischen Justizanstalt: Im Forensisch-therapeutischen Zentrum Garsten wurde ein 40 Jahre alter Häftling tot aufgefunden. Der Verdacht fällt auf seinen 63-jährigen Mithäftling – "Heute" berichtete. Die Staatsanwaltschaft Steyr ermittelt wegen Mordverdachts.
Brisant: Der mutmaßliche Täter ist kein Unbekannter. Es soll sich laut ORF-Recherchen um Mohamed H. handeln. Der Tunesier wurde wegen des Mordes an einem betagten Ehepaar in Linz-Urfahr zu lebenslanger Haft verurteilt und wegen einer Persönlichkeitsstörung in den Maßnahmenvollzug eingewiesen.
Bei seinem damaligen Mordprozess lieferte H. einen bizarren Auftritt. Im Gerichtssaal hielt er ein selbst beschriebenes Karton-Schild hoch: "Es wird gelogen und gelogen und alle wissen das sie lügen." Auf einem weiteren stand: "Und weil die Justiz in unserem Land abhängig ist." Den Kontakt zu seinem Verteidiger verweigerte er, fiel dem Richter wiederholt ins Wort, zitierte aus dem Koran und sagte immer wieder "Allahu Akbar".
Vor Gericht stand der Mann für eine grausame Tat. Nach einem Brand in einem Einfamilienhaus in Linz-Urfahr wurden am 30. Juni 2020 die Leichen von Siegfried und Hildegard Sch. (87, 85) entdeckt. H. hatte das Ehepaar zuvor regelmäßig mit Lebensmitteln aus dem Bio-Shop seiner Lebensgefährtin beliefert.
Laut Anklage strangulierte er die 85-Jährige zunächst mit einem Spanngurt und stach ihr danach ein langes Fleischermesser in den Brustkorb. Ihren 87-jährigen Ehemann soll er mit einem Holzstiel mit Metallmuffe auf den Kopf geschlagen und ebenfalls mit einem Messer in die Brust gestochen haben. Danach soll er vier Liter Benzin in Küche und Wohnzimmer verschüttet und das Haus angezündet haben. Für die Tat wurde H. schließlich zu lebenslanger Haft verurteilt.
Schon während seiner damaligen Haft soll H. zudem einen Justizwachebeamten mit dem Tod bedroht haben. Auslöser war servierter Leberkäse, den H. für Schweinefleisch gehalten haben soll. "Du und deine Familie werdet noch jede Nacht an mich denken", soll er gedroht haben. Laut Aussage des Justizwachebeamten bestand der Leberkäse allerdings aus Rindfleisch.
Nun steht der jetzt 63-Jährige erneut unter Mordverdacht. Opfer und Verdächtiger waren in Garsten im Maßnahmenvollzug untergebracht. Beide galten laut Justizministerium als zurechnungsfähig, aufgrund einer schwerwiegenden und nachhaltigen psychischen Störung jedoch als gefährlich.
Der Fall ereignete sich nur zwei Wochen nach einem mutmaßlichen Tötungsdelikt in der Justizanstalt Klagenfurt. Es gilt die Unschuldsvermutung.