Erni Mangold machte sich bis zuletzt wenig vor.
Am Samstag starb die österreichische Schauspiel-Legende im Alter von 99 Jahren im Kreis ihrer Familie. Fast ein Jahrhundert voller Theater, Film, Liebe, Streit und ziemlich viel Widerstand ist damit zu Ende gegangen.
Mit ihrem eigenen Tod hatte sich Mangold schon lange zuvor beschäftigt. Und wie so oft in ihrem Leben sprach sie auch darüber ohne Umschweife.
2017 besuchte FM4-Moderatorin Elisabeth Scharang die damals 90-Jährige in ihrem Haus im Waldviertel.
Das Gespräch bekam einen Titel, der nach Mangolds Tod eine völlig neue Bedeutung erhält: "Ich habe keine Angst. Auch nicht vor dem Tod."
Furchtlosigkeit zog sich ohnehin durch ihr Leben. Als junges Mädchen hatte sie während der NS-Zeit sogar einen Judenstern getragen, obwohl sie selbst keine Jüdin war. So wollte sie weiterhin mit ihrer jüdischen Freundin spazieren gehen können.
Auch neun Jahrzehnte später wollte Mangold sich von Angst nicht bestimmen lassen.
Dabei hatte die Schauspielerin eine ziemlich klare Vorstellung davon, was nach ihrem Tod passieren würde: ihrer Ansicht nach gar nichts.
Bereits 2014 wurde Mangold in einem Interview mit "profil" gefragt, ob sie an ein Leben nach dem Tod glaube.
Ihre Antwort fiel typisch Erni aus.
Sie glaube nicht daran. Für sie sei klar, dass irgendwann einfach Schluss sei und sie anschließend nicht mehr da wäre.
Und damit konnte sie offenbar gut leben.
Selbst den Gedanken an eine mögliche Wiedergeburt nahm Mangold mit ihrem gewohnt trockenen Humor. Vielleicht werde sie ja eine Fliege, scherzte sie – wobei ihr ein Schmetterling oder eine Libelle lieber wäre.
Auch bei ihrem Abschied von der Theaterbühne Ende 2017 wurde Mangold auf ihre eigene Endlichkeit angesprochen.
Mehr als 70 Jahre hatte sie zu diesem Zeitpunkt auf der Bühne gestanden. Wehmütig wollte sie trotzdem nicht werden.
"Wenn im Leben etwas vorbei ist, darf man sich nicht festkrallen", erklärte sie damals der "Krone".
Und selbst mit 91 Jahren scherzte sie noch über den Tod. Man liege in diesem Alter "schneller im Sarg, als du glaubst", sagte Mangold – und erklärte im selben Atemzug, warum sie trotzdem jeden Tag Krafttraining machte.
Für sie ging es nicht darum, das Ende zu verdrängen. Solange sie da war, wollte sie leben.
Sogar die Frage nach ihrem eigenen Vermächtnis beantwortete Mangold damals überraschend unsentimental.
Was einmal von Erni Mangold bleiben werde? "Goar nix", lautete ihre trockene Antwort.
Sie sei schließlich weder Einstein noch Mozart. Vielleicht würden sich nach ihrem Tod noch einige Menschen an sie erinnern, ein paar Jahre später möglicherweise nicht mehr. Und auch das sei für sie "völlig okay".
Heute klingt diese Antwort beinahe ein wenig zu bescheiden.
Denn als Erni Mangold am 5. September 2026 im Alter von 99 Jahren starb, verlor Österreich eine Schauspielerin, die mehr als sieben Jahrzehnte auf Bühnen und vor Kameras gestanden hatte.