Österreichs Wirtschaft kämpft weiter mit Firmenpleiten. Doch während sich die Lage bundesweit langsam entspannt, entwickelt sich die Steiermark in die entgegengesetzte Richtung.
Immer mehr Unternehmen müssen Insolvenz anmelden, die Schulden steigen massiv und Tausende Arbeitsplätze sind betroffen. Besonders brisant: Auch bei den Privatkonkursen steuert das Bundesland auf einen historischen Höchststand zu – das berichtet die "Kleine Zeitung".
Die aktuellen Zahlen des Alpenländischen Kreditorenverbands (AKV) zeigen deutliche Unterschiede zwischen der Steiermark und dem Rest Österreichs. Nachdem die Firmeninsolvenzen bundesweit drei Jahre hintereinander Rekordwerte erreicht hatten, gingen sie in den ersten neun Monaten 2026 um 7,65 Prozent auf 2.921 eröffnete Verfahren zurück.
Ganz anders sieht es in der Steiermark aus. Hier mussten zwischen Jänner und September insgesamt 449 Unternehmen Insolvenz anmelden. Das entspricht einem Anstieg von 17,85 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Zusätzlich wurden 212 Insolvenzverfahren mangels kostendeckenden Vermögens abgewiesen. Auch diese Zahl erhöhte sich deutlich, und zwar um 11,58 Prozent. Die Steiermark gehört damit zu jenen Bundesländern, "in denen keine Erholung in Sicht ist", warnt der AKV gegenüber der Tageszeitung.
Eine rasche Verbesserung erwartet der Gläubigerschutzverband nicht. Franz Blantz, Leiter des Insolvenzbereichs beim AKV, rechnet mit anhaltend hohen Pleitezahlen.
"Trotz der leicht nach oben korrigierten Wirtschaftsprognosen rechnen wir mit einer gleichbleibenden Entwicklung bis zum Jahresende 2026. In der Steiermark rechnet der AKV mit 600 eröffneten Firmeninsolvenzen. Einschließlich der Insolvenzabweisungsbeschlüsse sind bis zum Jahresende 2026 in der Steiermark fast 900 Gesamtinsolvenzen zu erwarten", so Blantz zur "Kleinen Zeitung".
Besonders dramatisch fällt die Entwicklung bei den Schulden der insolventen Unternehmen aus. Diese kletterten innerhalb eines Jahres um satte 164,9 Prozent. Während in den ersten drei Quartalen des Vorjahres noch 277,41 Millionen Euro an Verbindlichkeiten verzeichnet wurden, sind es heuer bereits 734,9 Millionen Euro.
Verantwortlich für den kräftigen Anstieg sind unter anderem mehrere große Firmenzusammenbrüche. Betroffen waren vor allem Industriebetriebe, darunter Wollsdorf Leder, Christof Industries, ADA und Meon Medical.
Auch für zahlreiche Beschäftigte haben die Pleiten schwerwiegende Folgen. Zum Zeitpunkt der Insolvenzeröffnung waren bei den betroffenen Unternehmen noch 2.448 Dienstnehmer beschäftigt. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Anstieg um 85,45 Prozent, heißt es in dem Bericht.
Am häufigsten traf es den Handel und die Baubranche mit jeweils 89 Insolvenzverfahren. Dahinter folgt die Gastronomie mit 74 Fällen.
Nicht nur Unternehmen geraten zunehmend unter finanziellen Druck. Auch immer mehr Steirer können ihre Schulden nicht mehr bewältigen.
Von Jänner bis September wurden insgesamt 808 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 690 gewesen. Damit ergibt sich ein Plus von 17,1 Prozent. Weitere 61 Verfahren wurden abgewiesen.
Der AKV sieht die Steiermark damit laut dem Bericht auf dem Weg zu "einem Rekordpleitejahr". Der bisherige Höchstwert stammt aus dem Jahr 2022. Damals wurden 1.049 Privatinsolvenzen registriert, so viele wie noch nie seit der Einführung des Privatkonkurses im Jahr 1995.
Wie angespannt die finanzielle Situation vieler Betroffener ist, verdeutlicht eine weitere Zahl: "In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 wurden in der Steiermark wöchentlich 21 Privatinsolvenzverfahren eröffnet", so der AKV zur "Kleinen Zeitung".
Die Schulden aus den heuer bisher eröffneten Privatinsolvenzen summieren sich bereits auf 117,45 Millionen Euro.
Ob der bisherige Rekord aus dem Jahr 2022 tatsächlich fällt, wird sich in den verbleibenden Monaten entscheiden. Klar ist jedenfalls: Während die Firmenpleiten österreichweit zurückgehen, bleibt die Steiermark bei Unternehmens- und Privatinsolvenzen weiter unter Druck.