Insolvenzstatistik 2026

Alle 73 Minuten geht in Österreich eine Firma pleite

Die Zahl der Firmenpleiten in Österreich ist wieder spürbar gestiegen. Wöchentlich wird über das Vermögen von rund 75 Unternehmen Insolvenz eröffnet.
13.10.2026, 10:35
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Auf den ersten Blick scheint sich die Lage bei Österreichs Unternehmen etwas zu beruhigen. In den ersten neun Monaten 2026 wurden 2.921 Firmeninsolvenzen eröffnet. Das waren 7,65 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Von einer nachhaltigen Entspannung kann laut Alpenländischem Kreditorenverband dennoch nicht gesprochen werden.

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Der Grund dafür ist die stark gestiegene Zahl jener Anträge, die mangels ausreichenden Vermögens abgewiesen wurden. Sie erhöhte sich um 17,13 Prozent von 2.107 auf 2.468 Fälle. In diesen Unternehmen waren nicht einmal mehr die notwendigen 4.000 Euro vorhanden, um ein reguläres Insolvenzverfahren zu finanzieren.

Rechnet man beide Gruppen zusammen, wurden von Jänner bis September 5.389 Firmeninsolvenzen registriert (+ 2,26 Prozent). Heißt: Alle 76 Minuten geht in Österreich ein Unternehmen pleite.

Im Schnitt wurden monatlich 325 Firmeninsolvenzen eröffnet. Pro Woche gerieten rund 75 Unternehmen in ein Verfahren. Die Quartalswerte gingen allerdings schrittweise zurück: von 1.046 im ersten Quartal über 960 im zweiten auf 915 im dritten Quartal.

AKV Alpenländischer Kreditorenverband

Vorarlberg mit größtem Anstieg

In den Bundesländern fällt die Entwicklung sehr unterschiedlich aus. Vorarlberg verzeichnete mit 109 eröffneten Firmeninsolvenzen ein Plus von 67,69 Prozent. In der Steiermark erhöhte sich die Zahl um 17,85 Prozent auf 449 Verfahren.

AKV Alpenländischer Kreditorenverband

Den stärksten Rückgang gab es in Tirol. Dort sank die Zahl um 24,21 Prozent auf 144 Fälle. In Wien wurden 972 Verfahren eröffnet, um 14,74 Prozent weniger als im Vorjahr. Oberösterreich kam auf 321, Salzburg auf 146 und Niederösterreich auf 506 Fälle. In Kärnten blieb die Zahl mit 181 Verfahren beinahe unverändert.

Mehr als die Hälfte der Insolvenzverfahren wurde nicht von den Unternehmen selbst angestoßen. In 1.633 Fällen beziehungsweise 55,91 Prozent stellten Gläubiger den Antrag. Nur 1.288 Verfahren gingen auf Eigenanträge zurück.

Schuldenberg von 6,88 Milliarden Euro

Die Verbindlichkeiten der eröffneten Firmeninsolvenzen beliefen sich auf exakt 6.878.995.000 Euro. Gegenüber den 8.884.212.000 Euro aus dem Vorjahr bedeutet das einen Rückgang um 22,57 Prozent.

Der hohe Betrag wird weiterhin stark von großen Immobilienfällen geprägt. Die fünf größten Insolvenzen nach Verbindlichkeiten entfallen laut AKV erneut auf Unternehmen aus dem Signa-Umfeld.

An der Spitze steht die Laura Privatstiftung mit angemeldeten Forderungen von 1.701.940.000 Euro. Dahinter folgen mehrere Gesellschaften rund um das Immobilienprojekt Postsparkasse. Deren angeführte Schulden liegen zwischen 323.590.000 und 327.801.000 Euro, überschneiden sich wegen gegenseitiger Haftungen jedoch großteils.

Top 10 Firmeninsolvenzen in Österreich nach Passiva
AKV Alpenländischer Kreditorenverband

Mehr Arbeitnehmer betroffen

Trotz des Rückgangs bei den eröffneten Verfahren waren mehr Beschäftigte betroffen. Zum Zeitpunkt der Insolvenzeröffnungen arbeiteten insgesamt 12.015 Menschen in den Unternehmen. Das waren 7,8 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2025.

Besonders viele Betroffene gab es in der Produktion mit 2.923 Beschäftigten. Dahinter folgten der Handel mit 1.822 und die Gastronomie mit 1.630 Arbeitnehmern.

Die größte Arbeitgeberinsolvenz war jene der Wollsdorf Leder Schmidt & Co. Ges.m.b.H. (Bezirk Weiz, Stmk.) mit 361 Beschäftigten. Es folgten die MM Mühringer Personal GmbH (Gunskirchen, OÖ) mit 325 und die Pollmann Austria GmbH (Karlstein an der Thaya, NÖ) mit 321 Mitarbeitern.

Die meisten Firmeninsolvenzen entfielen auf den Handel mit 695 Fällen. Im Bau wurden 664 und in der Gastronomie 525 Verfahren gezählt.

Fast jeder dritte Fall endet ohne Quote

Auch für Gläubiger hat sich die Lage verschlechtert. Von 2.885 beendeten Firmenverfahren endeten 918 mit einer Nullquote. In 31,82 Prozent der Fälle erhielten die Gläubiger somit kein Geld. Ein Jahr zuvor hatte dieser Anteil noch 27,36 Prozent betragen.

Gleichzeitig sank der Anteil der Sanierungspläne von 26,42 auf 21,70 Prozent. In 626 Verfahren konnte eine solche Vereinbarung abgeschlossen werden. In 1.080 Fällen wurde vorhandenes Vermögen an die Gläubiger verteilt.

Bis Jahresende erwartet der AKV rund 4.000 eröffnete Firmeninsolvenzen. Gemeinsam mit den mangels Vermögens abgewiesenen Fällen könnten es knapp 7.300 werden.

Bei Privatpleiten ist Wien Spitze

Bei Privatpersonen zeigt die Kurve klar nach oben. Von Jänner bis September wurden 7.329 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet. Das waren 9,80 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Einschließlich der 645 abgewiesenen Anträge wurden insgesamt 7.974 Privatinsolvenzen registriert.

Von den 7.329 eröffneten Privatinsolvenzen entfallen rund 62 % auf männliche Insolvenzschuldner, während rund 38 % Frauen zuzuordnen sind.
AKV

Besonders viele Verfahren gab es rund um den 17. Juli 2026. An diesem Tag lief die Möglichkeit eines dreijährigen Tilgungsplans für Verbraucher aus. Allein in den Kalenderwochen 28 bis 30 wurden 1.074 Verfahren eröffnet. Der AKV führt diese Häufung auf die geänderte Rechtslage und nicht auf eine plötzliche wirtschaftliche Verschlechterung zurück.

Tirol verzeichnete mit 25,56 Prozent den stärksten Anstieg. Oberösterreich meldete ein Plus von 17,83 Prozent, die Steiermark 17,10 Prozent. Kärnten war das einzige Bundesland mit einem Rückgang. Dort sank die Zahl um 2,04 Prozent auf 480 Fälle. Die meisten Privatinsolvenzen gab es mit 2.379 Verfahren in Wien.

Durchschnittlich 179.000 Euro Schulden

Die gesamten Verbindlichkeiten der eröffneten Privatkonkurse stiegen auf 1.312.289.000 Euro. Die durchschnittliche Verschuldung erhöhte sich von 148.800 auf 179.000 Euro.

Bei Männern lag der durchschnittliche Schuldenstand bei 226.900 Euro, bei Frauen bei 100.900 Euro. Insgesamt entfielen 4.545 Verfahren beziehungsweise 62,01 Prozent auf Männer und 2.784 auf Frauen.

Die meisten Fälle gab es bei den 40- bis 59-Jährigen. In dieser Gruppe wurden 3.509 Verfahren eröffnet. Die höchste durchschnittliche Verschuldung hatten jedoch Menschen ab 60 Jahren mit 240.300 Euro.

In den ersten neun Monaten wurden außerdem 6.147 Privatkonkurse beendet. Bei 4.069 Verfahren und damit in 66,19 Prozent der Fälle kam ein Zahlungsplan zustande. Für das Gesamtjahr rechnet der AKV mit rund 9.500 eröffneten Privatinsolvenzen.

tmw, 13.10.2026, 10:35