Der Fonds, der Arbeitnehmer nach einer Firmenpleite vor dem finanziellen Absturz schützen soll, steckt selbst in Geldnöten. Laut Arbeiterkammer (AK) und Gewerkschaft Bau-Holz droht dem staatlichen Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF) spätestens ab Februar 2027 das Geld auszugehen.
Der Fonds springt ein, wenn ein Unternehmen insolvent wird und offene Löhne, Gehälter, Überstunden oder Urlaubs- und Weihnachtsgeld nicht mehr bezahlen kann. Durch die Firmen-Pleitewelle wurde dieser Topf zuletzt sehr stark in Anspruch genommen.
Für 2027 rechnen AK und Gewerkschaft mit einer Finanzierungslücke von rund 160 Millionen Euro. Schon in den Jahren 2023 bis 2025 lag das Minus demnach im Schnitt bei 153 Millionen Euro pro Jahr.
„Die Politik hat jahrelang kurzsichtig die Arbeitgeber-Beiträge gesenkt. Die Beschäftigten dürfen dafür jetzt nicht die Zeche zahlen.“Renate AnderlArbeiterkammer-Präsidentin
Als Hauptgrund sehen die Arbeitnehmervertreter die mehrfach gesenkten Arbeitgeberbeiträge. Seit 2022 liegt der Beitrag nur noch bei 0,10 Prozent. Gleichzeitig ist die Zahl der Firmenpleiten wieder gestiegen.
AK-Präsidentin Renate Anderl warnt eindringlich vor den Folgen: "Die Politik hat jahrelang kurzsichtig die Arbeitgeber-Beiträge gesenkt. Die Beschäftigten dürfen dafür jetzt nicht die Zeche zahlen."
Auch Gewerkschafts-Chef Josef Muchitsch fordert rasches Handeln: "Wer gearbeitet hat, muss seinen Lohn bekommen – auch wenn der Arbeitgeber insolvent wird. Dafür ist der Insolvenz-Entgelt-Fonds da."
Allein 2025 unterstützte die AK nach eigenen Angaben rund 23.500 Betroffene bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche. Der IEF zahlte im Vorjahr rund 300 Millionen Euro für offene Löhne und andere Ansprüche aus.
„Das Gesetz ist eindeutig: Ist der Insolvenz-Entgelt-Fonds unterfinanziert, muss der Beitrag angehoben werden.“Josef MuchitschVorsitzender Gewerkschaft Bau-Holz
Die aktuelle Debatte um den IEF ist nach Meinung von AK und Gewerkschaft Bau-Holz unnötig. „Das Gesetz ist eindeutig: Ist der Insolvenz-Entgelt-Fonds unterfinanziert, muss der Beitrag angehoben werden. Das ist keine politische Frage, sondern geltendes Recht“, so Muchitsch.
AK und Gewerkschaft verlangen nicht nur eine höhere Finanzierung des Fonds, sondern auch strengere Regeln gegen Sozialbetrug, schärfere Haftungsbestimmungen und mehr Kontrollen.
Besonders brisant ist ein Fall aus der Baubranche. 114 Arbeiter einer in den Unterlagen anonymisierten Firma waren auf Wiener Baustellen beschäftigt, bevor das Unternehmen im Juli 2025 Konkurs anmeldete. Rund 600.000 Euro an offenen Löhnen übernahm der Fonds.
Kurz darauf arbeiteten viele der Beschäftigten laut AK auf denselben Baustellen weiter – bei einer neuen Firma mit derselben Adresse, derselben Geschäftsführung und derselben Tätigkeit. Auch dieses Unternehmen ging später pleite. Die Belastung für den Fonds soll sich in diesem Fall inzwischen auf mehr als 800.000 Euro summieren.
"Es kann nicht sein, dass dubiose Firmen den Insolvenzfonds gezielt missbrauchen, um sich auf Kosten anderer zu sanieren. Dem gehört ein Riegel vorgeschoben", erklärt Muchitsch.