Die Regierung regelt die Matura neu. Das hat Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) am Mittwoch vor dem Ministerrat bekanntgegeben. So wäre unter anderem die freiwillige abschließende Arbeit als Ersatz für eine mündliche Prüfung ausgelaufen. Sie wird jetzt dauerhaft festgeschrieben.
Ein weiterer Punkt: Wie bisher wird auch künftig die Jahresnote der achten Klasse in die abschließende Maturanote mit einberechnet. Neu ist allerdings, dass Schüler sowohl bei der schriftlichen als auch bei der mündlichen Matura eine "Mindestschwelle" von 30 Prozent erreichen müssen. Bisher hatten sie sich teilweise darauf verlassen, dass mit einem entsprechend guten Jahreszeugnis eine negative Klausur nichts ausmachen kann.
Für Minister Wiederkehr sind diese neuen Regeln eine "sehr gute, ganzheitliche Lösung für die die Matura, die auch dem Leistungsanspruch gerecht wird", betonte er.
Ganz anders sehen das die Grünen: "Bildungsminister Wiederkehr findet verlässlich schöne Worte, wenn es um Innovation und moderne Schule geht. Geht es aber um konkrete Taten, folgt der Kniefall vor den konservativen Kräften im Land“, kritisiert Sigrid Maurer, stellvertretende Klubobfrau und Bildungssprecherin. "Dass die Prüfungsleistung nun wieder stärker gewichtet und die reformierten Abschlussarbeiten weiter ins Abseits gedrängt werden, ist kein Fortschritt, sondern ein klarer Rückschritt."
"Leistung darf nicht alleine davon abhängen, wie jemand an einem einzigen Prüfungstag performt. Das Prinzip 'Wissen rein und am Prüfungstag ausspucken' ist aus der Zeit gefallen", betont Maurer. "Genau deshalb war die 50:50-Gewichtung von Jahresleistung und Maturaprüfung ein ausgewogener und gerechter Ansatz. Junge Menschen müssen zeigen können, was sie mit ihrem Wissen anfangen können – und das über einen längeren Zeitraum."
Besonders kritisch sieht die grüne Bildungssprecherin die fehlende Verbindlichkeit bei den abschließenden Arbeiten: "Wir haben diese Arbeiten reformiert, damit sie moderne Kompetenzen abbilden – von theoretisch-analytischen Recherchen bis hin zu praktischen, künstlerischen oder technischen Projekten. Das macht Eigenständigkeit, Recherche, kritisches Denken und Kreativität sichtbar. Genau das brauchen junge Menschen heute."
Dass diese Arbeiten weiterhin nur freiwillig angeboten werden, verspiele eine Chance. "Die freiwillige Erprobungsphase war dazu gedacht, die reformierte Arbeit langfristig fix in der Matura zu verankern. Aus einer Übergangslösung jetzt einen Dauerzustand zu machen, ist der völlig falsche Weg. Wer Zukunftsfähigkeit verspricht, muss sie auch umsetzen, statt alte Muster zu verwalten", so Maurer abschließend.