Matura, Studium, Abschluss, Beruf – und am besten alles schön der Reihe nach. So sieht der Bildungsweg auf dem Papier häufig aus. Doch was passiert, wenn die Aufnahmeprüfung nicht klappt, der gewünschte Studienplatz unerreichbar bleibt oder man mitten im Studium merkt: Dieser Weg passt zwar in den Lebenslauf, aber nicht mehr zu mir?
Diese Frage rückt zum Start des neuen Studienjahres wieder in den Mittelpunkt: Gerade bei stark nachgefragten Fächern können längst nicht alle Interessierten tatsächlich beginnen. Die Essential Academy (ESAC) nimmt das zum Anlass, klassische Bildungsbiografien infrage zu stellen – und wirbt zugleich für kürzere, kompetenzorientierte Alternativen.
Besonders sichtbar wird das Problem bei Fächern wie Medizin oder Psychologie. Allein für das Bachelorstudium Psychologie an der Universität Wien standen im Studienjahr 2026/27 laut den von ESAC angeführten Zahlen 2.977 Testteilnahmen lediglich 485 Studienplätzen gegenüber.
Wer keinen Platz bekommt, steht schnell vor einem Jahr, das sich zunächst wie Stillstand anfühlt. Laut der in der Aussendung zitierten Studierendensozialerhebung 2025 beginnen 24 Prozent der Bildungsinländer ihr Studium verzögert. Die spannendere Frage lautet deshalb vielleicht nicht nur: Wie überbrücke ich diese Zeit? Sondern: Was kann ich in diesem Jahr lernen, das mich tatsächlich weiterbringt?
Die ESAC argumentiert, dass sich auch die Arbeitswelt schneller verändert: KI, technologische Entwicklungen und neue berufliche Anforderungen erschweren es, mit 18 einen Weg einzuschlagen, der Jahrzehnte später noch genauso funktioniert. Die Bildungseinrichtung setzt deshalb auf kompakte Lehrgänge, bei denen konkrete Fähigkeiten und deren praktische Anwendung stärker im Vordergrund stehen sollen.
Diese Erfahrung machte auch Tessa Reinhart: Sie studierte Psychologie in Deutschland, absolvierte ihren Bachelor und begann anschließend einen Master. Irgendwann merkte sie nach eigenen Angaben, dass nicht ihr Interesse an Psychologie verschwunden war, sondern ihr die Art des Lernens nicht mehr entsprach: "Vieles war durch Module, Prüfungen und vorgegebene Inhalte strukturiert, sodass der Fokus schnell nur noch darauf lag, den Lernstoff bis zur nächsten Prüfung zu bewältigen", erzählt sie.
Hier setzt die Bildungseinrichtung mit ihrem eigenen Angebot an. Im Oktober startet in Wien der zweisemestrige Lehrgang "Praktische Psychologie": Er richtet sich an Menschen, die psychologisches Wissen praktisch nutzen möchten, ohne damit eine Ausbildung zum Psychologen oder zur Psychologin zu absolvieren.
Gelernt wird laut Anbieter in Gruppen von zehn bis 15 Personen. Statt einer klassischen Abschlussprüfung bearbeiten die Teilnehmer über den Lehrgang hinweg eine persönliche Fragestellung, auf die sie das erworbene Wissen anwenden sollen.
Wichtig zu erwähnen: Ein solcher Lehrgang ist nicht dasselbe wie ein Hochschulstudium und eröffnet entsprechend nicht automatisch dieselben Berufswege. Er zeigt aber eine Entwicklung, die für junge Menschen interessant sein kann: Eine Abzweigung im Bildungsweg muss nicht zwangsläufig eine Sackgasse sein.