Der Wecker klingelt, der Kopf dröhnt, die Nase läuft. Kurz bleibt man liegen und stellt sich die eine Frage, die viele kennen: Gehe ich heute arbeiten oder bleibe ich im Bett? Zwischen Pflichtgefühl, Termindruck und schlechtem Gewissen fällt die Entscheidung oft schwer.
Viele schleppen sich trotz Beschwerden ins Büro. Nicht selten aus dem Gefühl heraus, gebraucht zu werden oder niemanden im Stich lassen zu wollen. Viele haben schon einmal krank gearbeitet, oft aus Bequemlichkeit oder weil der Weg zum Arzt gescheut wurde. Auf der anderen Seite steht die Sorge, dass Krankmeldungen zu leichtfertig genutzt werden könnten.
Wer krank zur Arbeit geht, tut sich und anderen oft keinen Gefallen. Dieses Verhalten hat sogar einen Namen: Präsentismus. Gemeint ist, dass man trotz Krankheit arbeitet – und damit nicht nur die eigene Genesung verzögert, sondern im schlimmsten Fall auch Kollegen ansteckt.
Hinzu kommt: Wer sich nicht fit fühlt, macht eher Fehler und ist weniger leistungsfähig. Was als Pflichtbewusstsein gedacht ist, kann schnell ins Gegenteil kippen.
Es gibt keine klare Grenze, ab wann man "zu krank" ist: Während manche schon bei leichten Kopfschmerzen ausfallen, arbeiten andere selbst mit Erkältung weiter. Entscheidend ist, wie stark dich die Symptome tatsächlich beeinträchtigen. Genau deshalb lohnt es sich, ehrlich auf den eigenen Zustand zu schauen, statt sich an starren Regeln zu orientieren.
Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, bekommt meist ein gutes Gefühl dafür, ob ein Arbeitstag sinnvoll ist – oder eben nicht.
Nicht nur die eigene Entscheidung ist heikel, auch der Umgang im Team verlangt Fingerspitzengefühl: Wenn jemand offensichtlich krank ist, kann ein offenes, respektvolles Gespräch helfen. Oft reicht es, vorsichtig nachzufragen und Verständnis zu zeigen. Ist das Verhältnis distanzierter, kann es sinnvoll sein, die Person zu ermutigen, das Thema mit der Führungskraft zu klären.
Auch das Gegenteil kommt vor: der Verdacht, dass jemand zu oft "krank" ist. Hier gilt: Vorsicht statt Vorwurf. Nur wenn ein gutes Vertrauensverhältnis besteht, kann ein Gespräch sinnvoll sein. Manchmal hilft es schon, offen anzusprechen, wie sehr das Team belastet wird.