Immer mehr Menschen in Österreich gehen arbeiten, obwohl sie krank sind. Der aktuelle Arbeitsklima Index der Arbeiterkammer OÖ zeigt: Bereits 65 Prozent der Beschäftigten waren in den vergangenen sechs Monaten trotz Krankheit im Job – ein neuer Rekordwert.
Die Kammer schlägt jetzt Alarm: Das sei kein Einzelfall mehr, sondern ein massives Problem. Besonders betroffen seien Gesundheits-, Sozial- und Unterrichtsberufe – dort arbeiten laut Index bis zu drei Viertel der Beschäftigten krank weiter.
Die Gründe seien klar: Pflichtgefühl, Personalmangel und fehlende Vertretungen. Viele haben schlicht niemanden, der einspringt. Gleichzeitig steigt der Druck in den Betrieben weiter an. Die Folgen spüren die Betroffenen direkt. Erschöpfung, Konzentrationsprobleme und längere Krankheitsverläufe nehmen zu.
"Präsentismus ist kein individuelles Versagen, sondern das Symptom eines überlasteten Systems", sagt AK-Präsident Andreas Stangl. "Wer krank arbeitet, tut das meist, weil niemand da ist, der die Arbeit übernehmen kann."
Parallel dazu sinkt die Arbeitszufriedenheit deutlich. Vor allem hoher Zeitdruck und dauerhafter Stress drücken auf Stimmung und Wohlbefinden. Viele sind unzufriedener mit Job, Umfeld und Work-Life-Balance.
Die Arbeiterkammer fordert jetzt klare Maßnahmen: bessere Personalausstattung, mehr Prävention und Schutz für Beschäftigte. Auch Einschnitte bei der Entgeltfortzahlung im Krankenstand lehnt sie strikt ab.