Vier Jahre Ukraine-Krieg

200.000 Namen – diese Männer hat Putin auf dem Gewissen

Ein Daten-Leak russischer Behörden enthüllt Tausende Ukraine-Tote. Nach vier Jahren Krieg schießt die Zahl der Gefallenen auf eine erschütternde Höhe.
Newsdesk Heute
26.02.2026, 22:45
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Vier Jahre nach dem Start der großangelegten Invasion am 24. Februar 2022 wird das volle Ausmaß der Verluste sichtbar. Ein unabhängiges Rechercheteam rund um Mediazona und BBC Russia hat mittlerweile 200.186 gefallene russische Soldaten namentlich verifiziert. Allein in den vergangenen zehn Tagen kamen 23.000 bestätigte Tote hinzu.

Möglich wurde dieser sprunghafte Anstieg durch ein Daten-Leak aus dem russischen Standesregister. Der Datensatz, bekannt unter dem Namen "Manticore", enthält Auszüge aus offiziellen Sterbeurkunden.

Die Journalisten haben alle jene, die als Todesorte entweder die Ukraine oder die russischen Grenzregionen Kursk, Brjansk und Belgorod nennen, exportiert und gegengecheckt. Durch den Abgleich mit bereits gesammelten, aber bisher nicht abschließend bestätigten Namen konnten tausende Fälle neu verifiziert werden.

Dennoch betonen die Verfasser: Die 200.000 sind eine Untergrenze. Viele Sterbeurkunden nennen keinen konkreten Todesort, zudem reicht der geleakte Datensatz nur bis Anfang 2025.

Die Geografie des Todes

Die Auswertung zeigt auch, wie tief der Krieg ins Land hineinwirkt. Aus mindestens 26.600 Städten und Dörfern stammen die Gefallenen – rund 17 Prozent aller Siedlungen in Russland. Keine einzige größere Stadt blieb bisher verschont.

Sozial schwächere Regionen haben ungleich mehr Gefallene zu beklagen.
Mediazona

Allerdings gibt es ein deutliches Gefälle zwischen Stadt und Land: Zwei Drittel der Toten stammen aus kleineren Städten, Siedlungen und ländlichen Regionen. Metropolen mit mehr als 100.000 Einwohnern stellen nur etwa ein Drittel der bestätigten Gefallenen, obwohl dort mehr als die Hälfte der Bevölkerung Russlands lebt.

Auffällig ist zudem die soziale Schieflage. Besonders stark betroffen sind strukturschwache und verarmte Teilrepubliken wie Tuwa (476 Tote pro 100.000 Einwohner), Burjatien (400) oder die Region Transbaikalien (363). Dort locken Militärverträge mit vergleichsweise hohen Prämien – oft die einzige Chance auf ein besseres Einkommen.

Auch Rekruten aus Gebieten außerhalb der international anerkannten Grenzen Russlands tauchen in der Liste auf, etwa aus Abchasien, Südossetien (Georgien) oder Kasachstan.

Während der Kreml die eigenen Verluste weiterhin totschweigt, sprechen die gesammelten Daten der unabhängigen Journalisten eine deutliche Sprache. Mit jedem weiteren Namen wird klarer, wie hoch der Preis von Putins Krieg ist – und wie weit seine Schatten bis in die entlegensten Winkel Russlands reichen.

{title && {title} } red, {title && {title} } 26.02.2026, 22:45
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