Die EU überlegt laut "Washington Post", im Zuge ihres 20. Sanktionspakets ein umfassendes maritimes Verbot für Dienstleistungen einzuführen, die für den Transport von russischem Öl notwendig sind. Davon könnten zum Beispiel auch Versicherungen betroffen sein.
So sagte eine Quelle der US-Zeitung mit Kontakten zu russischen Finanzbeamten, dass diese in immer dringlicheren Schreiben an den russischen Präsidenten Wladimir Putin vor einer möglichen Wirtschaftskrise bis zum Sommer warnen würden.
Laut den Finanzbeamten könnten sinkende Einnahmen dazu führen, dass das Budgetdefizit ohne zusätzliche Steuererhöhungen noch weiter steigt. Auch der Druck auf das russische Bankensystem nimmt zu, weil die Zinsen hoch sind und Unternehmen gezwungen werden, Kredite zur Finanzierung des Ukraine-Kriegs aufzunehmen.
"Die Krise könnte in drei oder vier Monaten eintreten", erklärte ein Moskauer Geschäftsmann der "Washington Post". Es gebe Hinweise darauf, dass die tatsächliche Inflation deutlich über den offiziell angegebenen sechs Prozent liegt, obwohl der Leitzins bei 16 Prozent bleibt.
Als Zeichen für die wachsende Belastung der Wirtschaft nennt der Geschäftsmann die höchste Zahl an Restaurantschließungen in Moskau seit der Pandemie und die Zwangsentlassung von Tausenden Beschäftigten wegen steigender Kosten.
Der russische Staat kämpft schon jetzt mit großen Problemen. Die "Bild"-Zeitung berichtete vor wenigen Tagen unter Berufung auf eine interne Analyse der deutschen Bundesregierung, dass die Energieeinnahmen nur noch 22 Prozent des Staatshaushalts ausmachen. Früher waren es bis zu 50 Prozent.
Wladimir Putin hat den Staatsfonds offenbar stark angezapft. Mit 42 Milliarden Euro soll er nur noch etwa die Hälfte der Mittel im Vergleich zum Beginn des Kriegs haben. Außerdem würden mittlerweile 40 Prozent aller staatlichen Ausgaben in den Krieg fließen, heißt es in dem Bericht.