Lage bleibt angespannt

Pleite-Alarm: Jeden Tag trifft es 19 Unternehmen

Laut Hochrechnung des KSV1870 haben heuer bisher 5.139 Betriebe Insolvenz angemeldet, etwas mehr als 2025. Davon betroffen: fast 16.000 Beschäftigte.
Team Wirtschaft
16.09.2026, 13:58
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Eine massive Pleitewelle rollt weiter. Laut Hochrechnung des Kreditschutzverbandes KSV1870 schlitterten in den ersten drei Quartalen 5.139 Unternehmen in die Insolvenz. Das entspricht einem Anstieg von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die fatalen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind jedoch deutlich spürbar, denn von den Pleiten sind 15.700 Arbeitnehmer (ein Plus von 4,7 Prozent) sowie 36.300 Gläubiger betroffen.

Alarmierender Mangel an Geld

Besonders besorgniserregend ist für die KSV-Experten eine gravierende Verschiebung bei den Verfahrensarten. Während die Zahl der regulär eröffneten Insolvenzen um 7,2 Prozent sank, explodierten die mangels Masse abgewiesenen Verfahren um 12,6 Prozent auf 2.204 Fälle. Mittlerweile können somit 43 Prozent aller Firmenpleiten gar nicht mehr geordnet abgewickelt werden, da schlichtweg das Geld für das Verfahren fehlt.

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"Dass es zwischen den eröffneten und abgewiesenen Fällen mittlerweile nur noch einen zahlenmäßig geringen Unterschied gibt, ist alarmierend", warnt KSV-Experte Karl-Heinz Götze. Einer der Gründe dafür: Es wird immer häufiger zu lange mit der Insolvenzanmeldung zugewartet – so lange, bis das nötige Geld fehlt.

Handel und Gastronomie stürzen ab

Als größter Insolvenztreiber erweist sich weiterhin der Handel mit 861 Fällen, wenngleich hier ein Rückgang von 3,5 Prozent verzeichnet wurde. Dennoch schlägt Götze Alarm: "Im Handel sehen wir aktuell sehr viele Betriebe, die mit der Insolvenzanmeldung deutlich zu lange warten."

In weiterer Folge sei es aufgrund fehlender finanzieller Ressourcen nicht mehr möglich, ein Insolvenzverfahren zu eröffnen. So würden Arbeitsplätze verloren gehen, die bei einer frühzeitigen Anmeldung "unter Umständen hätten erhalten werden können".

Dicht dahinter folgt das Baugewerbe mit 719 Pleiten (-0,3 Prozent). Steil nach oben geht es hingegen in Gastronomie und Beherbergung. Wegen hoher Betriebskosten und fehlendem Personal stiegen die Pleiten in diesem Bereich um 9,8 Prozent auf 649 Fälle an. Im Grundstücks- und Wohnungswesen sanken die Insolvenzen insgesamt zwar um zehn Prozent, jedoch legte hier die Zahl der abgewiesenen Verfahren massiv um 29,6 Prozent zu.

Benko-Stiftung führt Pleiten-Hitparade an

Die vorläufigen Passiva aller Pleite-Firmen summieren sich bislang auf rund sechs Milliarden Euro. Den Schulden-Rekord hält dabei die Tiroler Laura Privatstiftung aus dem Signa-Umfeld mit 1,7 Milliarden. Auf den weiteren Rängen der Mega-Pleiten folgen die Wiener Georg-Coch-Platz Immobilien mit 320 Millionen Euro und die Grazer LL-resources mit 131 Millionen Euro.

Auch die steirische Domaines Kilger GmbH & Co KG (83 Millionen) aus Gamlitz sowie die Domaines Kilger GmbH aus Wies (50 Millionen Euro) reihen sich neben der burgenländischen FOP Immobilienbesitz (69 Millionen Euro) ganz vorne ein. Das bekannte Teleshopping-Unternehmen Mediashop aus Neunkirchen (NÖ) scheint mit 36 Millionen Euro ebenfalls unter den größten Pleiten des heurigen Jahres auf.

Insgesamt weisen von den knapp 70 Großinsolvenzen mit Passiva von über 10 Millionen Euro fast die Hälfte einen direkten Bezug zum Immobiliensektor auf. Zudem war laut KSV1870 zuletzt ein Trend hin in Richtung mittelständischer Unternehmen mit Passiva von bis zu 50 Millionen Euro erkennbar gewesen.

Zahl der Pleiten auf historischem Niveau

Die schwache Konjunktur, eine verhaltene Nachfrage und die hartnäckige Inflation rauben den Betrieben laut KSV1870 die wirtschaftliche Substanz. "Wo Margen und finanzielle Reserven knapp sind, kann der anhaltende wirtschaftliche Druck schnell existenzbedrohend werden", erklärt Götze die Dramatik.

Für das Gesamtjahr prognostiziert der Kreditschutzverband daher insgesamt rund 6.800 Firmenpleiten. Dieses Ergebnis würde in etwa dem Vorjahresniveau entsprechen und zugleich bedeuten, dass die Zahl der Firmenpleiten ein weiteres Jahr auf historisch hohem Niveau bleiben würde, schreibt der KSV1870 in seiner Aussendung.

tmw,16.09.2026, 13:58