Netflix, Amazon, Apple, Sky

Streaming-Riesen: Mega-Klage gegen Preiserhöhungen

Streaming-Riesen haben jahrelang die Preise teils massiv erhöht – nach Meinung von Experten unzulässigerweise. Jetzt rollt eine gigantische Klage an.
Team Wirtschaft
16.09.2026, 12:34
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Sie haben einfach die Preise erhöht, ohne ihre Kunden zu fragen: Streaming-Anbieter wie Netflix, Amazon Prime, Apple TV+ und WOW (Sky) stehen nun im Zentrum einer riesigen Klagewelle. Der österreichische Prozessfinanzierer Padronus hat gemeinsam mit dem Verbraucherschutzverein (VSV) und Anwälten rechtliche Schritte eingeleitet, um (mutmaßlich) unrechtmäßig kassierte Erhöhungsbeträge für die Abonnenten zurückzuholen.

"Systematische Übervorteilung"

Laut Padronus-Geschäftsführer Richard Eibl spekulieren die Konzerne darauf, dass sich wegen ein paar Euro ohnehin niemand wehrt. "Diese Wette verlieren sie, wenn sich genügend Menschen der Sammelklage anschließen", so Eibl. Er spricht angesichts der Ausmaße von einer "systematischen Übervorteilung im industriellen Maßstab".

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Die juristischen Chancen stehen laut Experten sehr gut: Bereits in der Vergangenheit hätten Anbieter wie Netflix oder Sky vor deutschen Gerichten teils empfindliche Niederlagen wegen unzulässiger Preisanpassungsklauseln hinnehmen müssen. Sämtliche auf diese Klauseln gestützten Erhöhungsbeträge seien demnach ohne Rechtsgrund kassiert worden und müssten inklusive Verzugszinsen zurückgezahlt werden.

So viel Geld können sich Kunden zurückholen

Für Nutzer, die Abos durchgängig laufen hatten, summieren sich die Erhöhungen zu beträchtlichen Summen. WOW verteuerte demnach laut Padronus das Live-Sport-Abo im Juli 2025 von 35,99 auf 44,99 Euro, ein Plus von 50 Prozent innerhalb von 18 Monaten.

Amazon hob den Jahrespreis für Prime von 69 auf 89,90 Euro an. Apple TV+ verdoppelte den Monatspreis kurzerhand von 4,99 auf 9,99 Euro. Und Netflix erhöhte seit 2017 gleich mehrfach, das Premium-Abo kostete zuletzt (vor der aktuellen Preiserhöhung) 19,99 statt 11,99 Euro.

Unterm Strich geht es dabei um rund 290 Euro bei WOW, 230 Euro bei Netflix, 210 Euro bei Apple TV+ und 60 Euro bei Amazon Prime. Wer alle vier großen Dienste abonniert hat, kommt auf knapp 800 Euro, die nun zurückgefordert werden können. Wenn sich nur eine Million Verbraucher anmelden, drohen den Konzernen Rückforderungen in dreistelliger Millionenhöhe.

Kein Kostenrisiko für Betroffene

Die Teilnahme an der Mega-Klage ist für Verbraucher simpel und laut Initiatoren völlig ohne finanzielles Risiko. Über die neue Plattform streaming-klage.de kann man ab sofort eine einzige Vollmacht für bis zu vier Verfahren erteilen.

Selbst wer keine alten Rechnungen mehr griffbereit hat, kann problemlos mitmachen – die Kanzlei fordert die Abrechnungsdaten notfalls über das Auskunftsrecht direkt beim Anbieter an. Zudem setzt die Kanzlei die Anbieter in Verzug, wodurch die eigene Forderung um rund 6,5 Prozent Zinsen pro Jahr anwächst. Die Verbraucher werden bis zur Auszahlung begleitet.

Wichtig zu wissen: Das aktuelle Streaming-Abo muss für die Klage nicht gekündigt werden. Sämtliche Kosten des Verfahrens übernimmt der Finanzierer Padronus. Nur im Erfolgsfall, also wenn Geld zurückfließt, behält das Unternehmen 9,9 Prozent des Betrags als Erfolgshonorar ein. Deckt eine Rechtsschutzversicherung den Fall, entfällt sogar dieser Abzug komplett.

Aktuell können nur deutsche Kunden teilnehmen

Leider und großes Aber: Laut Padronus-Chef Richard Eibl können an der Klage derzeit nur Streaming-Kunden aus Deutschland teilnehmen. Grund seien die in Österreich leicht abweichenden gesetzlichen Regelungen.

tmw,Akt. 16.09.2026, 12:37, 16.09.2026, 12:34