Künstliche Intelligenz

KI-Expertin warnt: "Wird Gewinner und Verlierer geben"

Im Buch "Die KI kann mich mal" erklärt Barbara Oberrauter-Zabransky, wie künstliche Intelligenz im Alltag konkret hilft – und wo ihre Grenzen liegen.
Wien Heute
03.05.2026, 07:46
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Künstliche Intelligenz ist als Thema aus der Öffentlichkeit nicht mehr wegzudenken: Zuletzt sorgte die deutsche Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes für Aufsehen. Ihr Ex-Mann Christian Ulmen soll über gefälschte Internet-Profile Deepfake-Videos (mit KI hergestellt) von ihr mit sexualisierten Inhalten verbreitet haben – "Heute" berichtete.

Journalistin, Trainerin und Gründerin der KI-Academy, Barbara Oberrauter-Zabransky (44), beschäftigt sich intensiv mit den Auswirkungen und Möglichkeiten künstlicher Intelligenz. Vor kurzem hat die Wahl-Wienerin mit dem Buch "Die KI kann mich mal" (Verlag Kremayr & Scheriau, 25 Euro) einen praktischen Guide für den Alltag veröffentlicht: "Ich will das Thema auf den Boden bringen und den Leuten helfen, die Lage selbst einzuschätzen", berichtet sie.

"Fähigkeit, KI-Bullshit zu erkennen"

In neun Kapiteln erklärt Oberrauter-Zabransky so ziemlich alles, was man gerade über Künstliche Intelligenz wissen sollte und liefert dazu auch konkrete Beispiele. Etwa ein Problem mit dem Auto: "ChatGPT diagnostiziert anhand meiner Beschreibung ein kleines Kühlmittelleck, erklärt mir, wie ich sicher nach Hause fahre, und hilft mir dann per Foto-Analyse, das Problem am Kühlerschlauch zu finden."

Viele User nutzen die KI bereits häufig für derlei Alltagsfragen – Kritiker sehen dabei die Gefahr, dass das eigenständige Denken leidet: "Der Gedanke liegt nahe: 'Ich lasse jetzt einfach alles von der KI beantworten.' Ich glaube aber, dass eine neue Kompetenz dazukommt – nämlich die Fähigkeit, KI-Bullshit zu erkennen. 'AI Slop' ist schon jetzt ein großes Thema: Texte klingen gleichförmig, Inhalte austauschbar. Dieses KI-Radar wird sich bei vielen Menschen noch stärker ausprägen", ist die 44-Jährige überzeugt.

KI als leistungsfähiges Werkzeug

Auf die Frage, ob die KI jemals so denken können wird wie wir Menschen, erklärt Oberrauter-Zabransky: "Wahrscheinlich nicht – und das ist keine schlechte Nachricht. Menschen denken nicht nur mit dem Kopf, sondern mit dem Bauch, dem Herz, dem ganzen Leben dahinter. KI simuliert das täuschend gut. Aber Empfindungen, echte Verantwortung, moralisches Urteilsvermögen – das sind menschliche Qualitäten, die sich nicht einfach trainieren lassen. Wer auf KI als 'digitales Gehirn' hofft, wird enttäuscht. Wer sie als sehr leistungsfähiges Werkzeug nutzt, wird begeistert sein."

Trotz allem klingen die Antworten der KI oft sehr persönlich und irgendwie vertraut: "Weil KI aus menschlichen Texten gebaut wurde. Millionen Gespräche, Bücher, Artikel, Nachrichten – das ist ihr Rohmaterial. Wenn sie antwortet, klingt das warm, manchmal sogar empathisch. Das ist kein Zufall, das ist Design. Und es ist auch eine Warnung: Das Gefühl von Verbundenheit ist echt – aber das Gegenüber ist es nicht. Das zu wissen, schützt vor Enttäuschungen", warnt die Expertin.

Prozess mit Gewinnern und Verlieren

Sorge bereitet der Wienerin auch der Datenschutz: "Unsere Daten werden für das Training von Modellen verwendet, die in den Händen privatwirtschaftlicher Unternehmen in den USA liegen. Diese Firmen machen – mehr oder weniger offen – Gewinn mit unseren Daten. Das ist eine Entwicklung, die viele unterschätzen."

Die KI werde die Welt grundlegend verändern, ist Oberrauter-Zabransky überzeugt: "Nicht von heute auf morgen. Man darf die menschliche Trägheit nicht unterschätzen – es wird noch sehr viel Trial-and-Error geben. Das wird ein langer Prozess, den verschiedene Menschen unterschiedlich mitgehen werden. Meine Sorge dabei: Es wird Gewinner und Verlierer geben – wenn nicht rasch genug mitgemacht wird."

KI einfach ausprobieren

Leser sollen nach ihrer Lektüre, aufhören, "KI nur als Bedrohung oder als Allheilmittel zu sehen. Und anfangen, sie einfach auszuprobieren – neugierig, kritisch, spielerisch. Wer KI einmal selbst benutzt hat, hat viel mehr Boden unter den Füßen, um mitreden und mitentscheiden zu können. Das ist heute eine Bürgerpflicht, nicht nur ein Tech-Hobby."

{title && {title} } red, {title && {title} } 03.05.2026, 07:46
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