Die Verwaltung steht vor einem massiven Umbruch – und jetzt kommt die Antwort: Künstliche Intelligenz (KI). Bei einem "KI-Konklave" im Haus der Digitalisierung in Tulln (NÖ) einigten sich die Spitzen aller Bundesministerien auf einen gemeinsamen KI-Fahrplan – verbindlich per Ministerratsvortrag.
Digitalisierungs-Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) präsentierte jetzt die Vorhaben unter der Dachmarke "Public AI", mit denen die Bundesverwaltung fit für die Zukunft werden soll.
Der Hintergrund ist brisant: In den nächsten Jahren gehen rund 44 Prozent der Staatsbediensteten in Pension. Know-how droht verloren zu gehen, gleichzeitig steigen die Anforderungen. KI soll diese Lücke schließen.
Herzstück ist eine gemeinsame KI-Infrastruktur für alle Ministerien. Statt einzelner Insellösungen setzt man künftig auf ein zentrales System aus dem Bundesrechenzentrum.
Fünf konkrete Anwendungen sind bereits fix:
Mit "GovGPT" bekommen alle Bundesbediensteten (180.000 Personen) ein eigenes KI-Tool für Texte, Zusammenfassungen und den Aufbau eigener Wissensdatenbanken. Start ist Ende des ersten Halbjahres 2026.
Auch der elektronische Akt (ELAK) wird mit KI-Funktionen aufgerüstet. Künftig können Mitarbeiter ganze Aktenbestände per KI durchsuchen und zusammenfassen lassen. Das unterstützt auch die Anforderungen des Informationsfreiheitsgesetzes. Start: im zweiten Halbjahr 2026.
Die Anzahl parlamentarischer Anfragen ist stark gestiegen und bindet erhebliche Ressourcen. KAPA (KI für parlamentarische Anfragen) unterstützt künftig bei Recherche und Beantwortung. Start ist im zweiten Halbjahr 2026.
Bereits verfügbar ist "KI-SUN", ein digitaler Wissensassistent, der über 6.000 Seiten Schulungsunterlagen der Bundesverwaltung kennt und jederzeit Fragen dazu beantwortet. Wird laufend ausgebaut.
„Am Ende des Tages ist das Einzige, was zählt: Bekommt die Bürgerin oder der Bürger schneller eine Antwort?“Alexander PröllDigitalisierungs-Statssekretär
Und besonders spannend: sogenannte Agentische KI. Diese soll künftig selbstständig Aufgaben erledigen – etwa Termine für Bürger buchen. Die KI prüft freie Slots, bucht den Termin und schickt die Bestätigung per Chatbot. Ziel ist eine spürbare Entlastung für Bedienstete und Bürger gleichermaßen. Diese KI soll 2027 kommen.
Pröll bringt es auf den Punkt: "Am Ende des Tages ist das Einzige, was zählt: Bekommt die Bürgerin oder der Bürger schneller eine Antwort? Wird der Antrag rascher bearbeitet? Wenn ja, haben wir unsere Arbeit gemacht."
Flankiert wird das Paket von neuen KI-Regeln, Schulungen und sogar einem eigenen Staatspreis für KI-Projekte.