Private Kindergarten-Träger gehen auf die Barrikaden und werfen der Stadt Wien massive Ungerechtigkeit vor. Konkret lautet der Vorwurf: Während städtische Einrichtungen deutlich mehr Geld bekommen, müssen private mit viel weniger auskommen – bei gleicher Arbeit.
Aktuelle Zahlen der Stadt Wien sprechen für sich: Ein Platz im städtischen Kindergarten kostet im Schnitt satte 13.767 Euro pro Jahr, private Träger erhalten hingegen nur 9.088 Euro pro Kind. "Wir leisten tagtäglich dieselbe pädagogische Arbeit mit deutlich weniger Mitteln – und halten dennoch höchste Qualität und Einsatz aufrecht. Dieses System ist weder fair noch nachhaltig.", heißt es dazu von Kinder in Wien (KIWI), der Diakonie Bildung, den Kinderfreunden Wien sowie der St. Nikolausstiftung.
Die Stadt verwies zuletzt auf rund 1.500 Inklusionsplätze – doch bei über 30.000 betreuten Kindern würde das kaum ins Gewicht fallen, sagen die privaten Träger. Lange Zeit durften private Einrichtungen gar keine Integrationsgruppen führen. Erst seit Kurzem ist das überhaupt möglich – und selbst jetzt ist der Aufwand enorm.
Denn: Für zusätzliche Unterstützung braucht es eine offizielle Diagnose und einen individuellen Teilhabeplan. Bis das alles vorliegt, bleiben die Träger auf den Kosten sitzen, heißt es.
Noch mehr Zündstoff liefert ein aktueller Bericht des Stadtrechnungshofs: Die Kosten der städtischen Kindergärten seien in mehreren Jahren unvollständig berechnet worden. Heißt im Klartext: Die tatsächlichen Kosten könnten sogar noch höher sein. "Es sind Steuergelder, die hier eingesetzt werden. Diese müssen gleich und gerecht verteilt werden", fordern die privaten Kindergarten-Träger.
Nicht nur bei den Kindern gibt’s Unterschiede – auch beim Personal. Während städtische Angestellte nach besseren Schemen bezahlt werden, gilt bei privaten oft nur der Mindestlohntarif.
Die privaten Organisationen machen Druck und verlangen von der Stadt Wien ein faires und transparentes Fördersystem, gleiche Bedingungen für alle Träger, kleinere Gruppen und mehr Personal sowie faire Bezahlung für alle Beschäftigten. "Wir wollen Lösungen – aber dafür braucht es endlich Gespräche auf Augenhöhe und den politischen Willen zur Veränderung", heißt es von den Trägern.
Besonders kritisch sehen sie auch die Lage bei den Horten. Diese dürften nicht zu bloßen "Aufbewahrungsstätten" verkommen. Ihre Forderung: Auch Hortangebote sollen – wie Ganztagsschulen – kostenlos für Eltern sein.
Die Diakonie Bildung, doe Kinderfreunde Wien, KIWI und die St. Nikolausstiftung betreuen gemeinsam rund 28.000 Kinder – ein Drittel des Wiener Bedarfs. Ihr Appell lautet: "Ein Zwei-Klassen-System in der elementaren Bildung darf es nicht länger geben."
Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) erklärte die Kostenunterschiede zuletzt mit den Inklusionsplätzen. Auch die Rahmenbedingungen in den städtischen Kindergärten seien oft umfangreicher: längere Öffnungszeiten, weniger Schließtage, mehr Personal und zusätzliche Angebote wie Sprachförderung (die auch den privaten Trägern zur Verfügung steht). Private Anbieter dürfen auch zusätzliche Elternbeiträge einheben – bis zu 274 Euro monatlich.
Im Rahmen der Reform "Kindergarten neu denken" will die Stadt das Fördersystem aber komplett neu aufstellen. Ziel ist es, mehr Fairness und Transparenz zwischen städtischen und privaten Einrichtungen zu schaffen.