Der Wiener Patientenanwalt Gerhard Jelinek schlägt Alarm: Die Wartezeiten auf Operationen sind teils extrem lang. Diesen und andere Punkte kritisierte Jelinek im Rahmen einer Pressekonferenz zum Tätigkeitsbericht 2025 der Wiener Pflege- und Patient:innenanwaltschaft (WPPA) – "Heute" berichtete.
Demnach kommt es gehäuft zu Beschwerden von Eltern, die für ihre Kinder weder in Wien (noch in NÖ) in einem zumutbaren Zeitraum einen OP-Termin auf Kasse bekommen. So wandten sich etwa die Eltern eines Kleinkindes an die WPPA.
Seit fast zwei Jahren hatte das Kind immer wieder Infekte, wodurch bereits die Nasenatmung und das Hörvermögen beeinträchtigt waren. Der behandelnde HNO-Arzt verwies daher dringend auf eine Operation.
Doch allein die Wartezeit auf ein Erstgespräch für die OP in einem Krankenhaus hätte mehrere Monate gedauert. Danach hätte es noch etwa ein weiteres Jahr bis zum Eingriff gedauert. Das war den Eltern zu lang: Sie bezahlten schließlich mehrere tausend Euro für eine Privat-OP. Die Krankenkasse erstattete davon rund 150 Euro.
"Bei OP-Terminen kommt es für Wiener zu teils exorbitanten Wartezeiten. Hier hat sich in der jüngeren Vergangenheit vor allem der HNO-Bereich mit Wartezeiten von gut einem Jahr, zum Teil sogar zwei Jahren, negativ entwickelt. Selbst bei Kindern!", kritisiert Patientenanwalt Jelinek. Weitere betroffene Fachbereiche seien die Urologie, die Augenheilkunde und auch die Orthopädie.
Ein weiteres zentrales Problem sieht Jelinek weiterhin im niedergelassenen Bereich. Es gebe nach wie vor zu wenige Kassenärzte – sowohl in der Allgemeinmedizin als auch bei Fachärzten. "Die Wartezeiten sind zu lang und Patienten gezwungen, auf teure Wahlärzte auszuweichen. Es herrscht hier ein schweres Ungleichgewicht. Patienten zahlen sich immer mehr selbst, mit einem solidarischen Gesundheitssystem hat das nichts mehr zu tun."
Die Folgen seien gravierend: "Von der Sozialversicherung bekommen die Patienten nur einen Bruchteil des Honorars rückvergütet. Die ÖGK zahlt zum Beispiel nur 80 Prozent der Kassenleistung. Für die Sozialversicherung selbst fallen daher weniger Kosten an als für eine kassenärztliche Behandlung."