Spiele-Test

"Kingdom Loop" dreht sich in einem Kreis ohne Ende

"Kingdom Loop" führt dich durch einen festen Kreislauf aus Entscheidungen und Wiederholungen, mit wenig Abwechslung zwischen den Runden.
Rene Findenig
05.05.2026, 15:52
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

"Kingdom Loop" ist ein neues Deckbuilding-Roguelike auf Steam für PC, das viel verspricht: Das Roguelike-Erlebnis soll mit Städte-Aufbau und klassischem, rundenbasiertem Gameplay verbunden werden. Das große Vorbild verrät bereits der Titel: Der Entwickler Root Games eifert dem gefeierten "Loop Hero" nach, hat aber auch bei Games wie "Heroes of Might and Magic" etwas abgeschaut. Zum Start von "Kingdom Loop" hagelt es allerdings negative Kommentare auf Steam – und der Test zeigt, dass noch ein weiter Weg vor den Entwicklern liegt, das Spiel qualitativ an die großen Vorbilder heranzuführen.

Die Geschichte ist schnell wieder vergessen, eine echte Kampagne und Handlung gibt es bisher nicht. Wissen muss man eigentlich nur: Spieler schlüpfen in die Rolle eines wählbaren Helden und führen eine Armee in die Schlacht um den Gral, der Verstorbene als mordende Untote wiederauferstehen ließ. Die Spielwelt ist in Wahrheit ein Spielfeld, auf dem man sich in isometrischer Perspektive auf einer ringförmigen Straße rund um den Graltempel bewegt – und dabei die eigene Armee verstärkt, verschiedene Gebäude auf- und ausbaut und sich immer wieder Feinden entgegenstellt.

Der "Loop" bietet bisher wenig Abwechslung

Runde für Runde werden Gegner stärker und immer wieder werden auch Bosse eingestreut, während man neue Fähigkeiten freischaltet. Gewinnt man die rundenbasierten Kämpfe, streift man Spielkarten und Ausrüstungsgegenstände ein. Spielkarten lassen sich am Feld als Verstärkungen und Gebäude platzieren, Ausrüstungen verstärken die Helden oder bringen bei Verkauf Geld, das wiederum in andere Items und Spielkarten investiert werden kann. Scheitert man, geht die Runde von vorne los. Es gibt allerdings keine ausführlichen Erklärungen, die alle Mechaniken im Detail aufschlüsseln, vieles basiert auf Ausprobieren.

Viele Zusammenhänge erschließen sich erst durch wiederholtes Spielen – und das muss man anfangs sowieso, denn schon ein paar falsche Entscheidungen machen den Titel brachial schwer. Diese Schleife bildet den Rahmen für alle Entscheidungen und Ereignisse im Spiel. Sie verändert sich im Kern nicht, sondern wiederholt sich in gleicher Struktur mit kleinen Anpassungen. Du bewegst dich auf einem festgelegten Rundkurs um ein Zentrum, triffst Entscheidungen über Karten und platzierte Elemente und lässt den Ablauf anschließend automatisch weiterlaufen. "Kingdom Loop" bietet da leider sehr wenig Abwechslung.

Wiederholt sich, entwickelt sich aber nicht

Das Spiel greift die Idee der Wiederholung zwar auf, bleibt aber oberflächlich. Entscheidungen verändern zwar den Ablauf, führen aber nicht zu wirklich neuen Ergebnissen. Im Zentrum steht eine Mischung aus Deckbuilding, Aufbau und automatisierten Kämpfen, die dauerhaft wenig fesseln kann. Du stellst Karten zusammen, platzierst Elemente auf einem Rundweg und beobachtest, wie sich daraus Kämpfe und Ressourcen ergeben. Diese Kombination ist grundsätzlich bekannt und funktioniert in einigen Genre-Vertretern hervorragend, "Kingdom Loop" wirft sie aber alle zu einem Mix zusammen, der noch unausgereift wirkt.

Statt eines stabilen Gameplays entsteht ein Wechsel aus Einzelmechaniken, die noch nicht sauber verbunden sind. Der Fortschritt in einer Partie ist nicht motivierend umgesetzt. Während vergleichbare Spiele ihre Wiederholung nutzen, um motivierende Lernkurven oder langfristige Verbesserungen zu erzeugen, bleibt "Kingdom Loop" auf kleine Veränderungen beschränkt. Die Folge ist ein Spielgefühl, das sich wiederholt, ohne sich wirklich zu entwickeln. Technisch und strukturell bleibt das Spiel ebenfalls nah an der Vorlage. Aufbau wechselt mit automatisierten Kämpfen ab, ergänzt durch Ressourcenmanagement und Kartenauswahl.

Idee übernommen, aber eigene Tiefe fehlt

Die Präsentation bleibt funktional und tritt in den Hintergrund. Der Fokus liegt klar auf den Systemen, nicht auf visueller oder narrativer Ausgestaltung. Auch das ist Teil der Kritik, da das Spiel dadurch zusätzlich an Eigenständigkeit verliert. Im direkten Vergleich mit "Loop Hero" fällt besonders auf, dass "Kingdom Loop" zwar die Idee der Schleife übernimmt, aber nicht mit eigener Tiefe füllt. Während das Vorbild seine Wiederholung als Spannungselement nutzt, bleibt hier eher ein wenig motivierender Ablauf zurück. Der Anspruch, ein eigenes System aus Loop, Deckbuilding und Aufbau zu schaffen, ist erkennbar, wird aber ungenutzt liegengelassen.

Im weiteren Verlauf zeigt sich, dass das Spiel auf Wiederholung setzt, ohne diese ausreichend zu variieren. Die einzelnen Durchläufe folgen einem ähnlichen Muster, das sich nur in kleinen Details verändert. Obwohl der Spieler Einfluss auf Karten, Aufbau und Ablauf hat, bleibt der langfristige Effekt begrenzt. Viele Entscheidungen entfalten ihre Wirkung nur kurzfristig und verändern den Gesamtverlauf kaum sichtbar, in der nächsten Runde ist wieder alles beim Alten. Das führt zu einem strukturellen Problem. Ein Spiel, das stark auf Wiederholung setzt, braucht Unterschiede zwischen den einzelnen Durchläufen, um dauerhaft überzeugen zu können.

"Kingdom Loop" dreht sich in einem Kreis ohne Ende

Unterschiede zwischen den Runden fallen zu schwach aus, um den Loop dauerhaft interessant zu halten. Auch die Balance zwischen Aufbau und Kampf wirkt noch nicht ausgereift. Der Übergang zwischen Planung und automatisierten Phasen funktioniert zwar grundsätzlich, bleibt aber nicht interessant genug, um einen durchgehenden Spielfluss zu erzeugen. Die Folge ist ein Spiel, das in seiner aktuellen Form eher wie eine frühe Version eines größeren Konzepts wirkt. Viele Elemente sind vorhanden, werden aber noch nicht so genutzt, dass sie ein großes Ganzes ergeben würden.

"Kingdom Loop" ist ein an "Loop Hero" angelehntes Projekt, das bekannte Mechaniken aus Deckbuilding, Aufbau und automatisierten Kämpfen übernimmt. Positiv ist die erkennbare Grundidee. Der Versuch, Wiederholung, Kartenmechanik und Aufbau zu verbinden, ist vorhanden und nachvollziehbar. Gleichzeitig bleibt die Umsetzung (noch) unfertig. Der Loop trägt das Spiel nicht dauerhaft, Entscheidungen entfalten zu wenig Wirkung. "Kingdom Loop" wirkt damit wie eine frühe Annäherung an ein bekanntes Konzept, das noch deutlich Feinschliff benötigt, um eigenständig zu funktionieren. Den wird es hoffentlich noch geben.

{title && {title} } rfi, {title && {title} } Akt. 05.05.2026, 15:56, 05.05.2026, 15:52
Jetzt E-Paper lesen