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"Vergeudung" – Klima-Experte gegen Energie-Preisdeckel

Die Teuerungswelle ist nur ein von vielen Krisen, die es zu bewältigen gilt. Der Klima-Experte von Weizsäcker ist daher gegen einen Preisdecke.
Tobias Kurakin
21.07.2022, 12:30
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Österreich und die Welt sind derzeit von multiplen Krisen betroffen. Neben dem Krieg in der Ukraine, der die Preise für Energie auch hierzulande in die Höhe schnellen hat lassen, treibt der Klimawandel die Temperaturen nach oben. Laut dem Umweltforscher Ernst Ulrich von Weizsäcker wird es schwierig, beide Probleme auf einmal zu lösen.

Klimaschutz profitiert von Teuerung

Die Teuerungswelle, die derzeit über Österreich hereinbricht, ist ein echtes Problem für die Gesellschaft, das sieht auch von Weizsäcker so, sieht jedoch auch etwas paradoxerweise positives daran: "Für die ärmeren Menschen ist es schlimm, wenn man ihnen nicht staatlich hilft. Für den Klimaschutzist all das ironischerweise gut", so der Experte im Interview mit dem Standard.

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Aufgrund der hohen Preise würde man derzeit sehr sorgsam mit der Energie umgehen, meint von Weizsäcker – hier würde ein Potenzial des energieeffizienten Handels entstehen, das in der Vergangenheit nicht genutzt wurde. Der Forscher sieht demnach eine Chance gegeben, ein Umdenken zu bewirken. Die Nutzung von Kohlekraftwerken, sei seiner Ansicht nach, nur ein vorübergehender Effekt: "Kohle ist, glaube ich, in anderthalb Jahren von heute wieder weg, weil Fotovoltaik viel billiger ist. Bei Atomenergie gilt genau das Gleiche".

Dass man das Kohlekraftwerk reaktiviert hätte, mach von Weizsäcker dennoch traurig, auch wenn er hinzufügt: "Ich weiß, dass die Wählerschaft anders denkt als Umweltschützer. Und in einer Demokratie muss man auch auf die Wählerschaft achten". Der Experte erhofft sich jedoch, dass die Bevölkerung nach dem Ukraine-Krieg endgültig ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass die Abhängigkeit von Öl und Gas ein Ende nehmen muss.

Preisdeckel "klimapolitisch falsch"

Bezüglich der horrenden Preisen bei Strom und Gas sorgt von Weizsäcker zudem für Aufsehen: "Einen Preisdeckel halte ich für klimapolitisch falsch. Er führt dazu, dass das Vergeuden von Energie einfach schnurstracks weitergeht". Stattdessen würde der Forscher dafür plädieren, dass die Politik besonders betroffene Haushalte mit Direktzahlungen unterstützt.

Ärmere Länder sollen unterstützt werden

Im Sinne des Klimaschutzes würde es zudem auch Sinn machen, schrittweise das Bevölkerungswachstum zu drosseln, argumentiert der Forscher: "Also für den Planeten Erde ist die Bevölkerungsvermehrung die reine Katastrophe". Von Weizsäcker ist sich jedoch bewusst, dass es Nachwuchs geben muss, um Pensionssysteme zu erhalten. Gerade Länder, wo Familien mit vielen Kindern sind, müsste jetzt geholfen werden. So plädiert von Weizsäcker dafür, dass Europa finanzielle Unterstützung nach Afrika schickt, um der Bevölkerung hier eine "halbwegs erträgliche Altersversorgung" zu garantieren.