Um 12:45 Uhr begann der entscheidende Moment: Marius Borg Høiby nahm im Osloer Amtsgericht im Zeugenstand Platz. Bevor er auf Fragen des Richters Jon Sverdrup Efjestad antworten konnte, kamen ihm bereits die Tränen. Laut "VG" sagte er: "Ich finde es unglaublich schwierig, vor so vielen Menschen zu sprechen."
Mit einem Taschentuch wischte er sich die Tränen ab, nahm seine Brille ab und erhielt vom Richter eine Minute Zeit, um sich zu sammeln. Für den großen Auftritt hatte sich Høiby dezent gekleidet: dunkelblauer Pullover mit Reißverschluss, dunkle Hose und dunkelblaue Loafers. Mit verschränkten Armen und Blick auf den Richter begann er schließlich, seine Worte klarer zu fassen.
"Seit ich drei Jahre alt bin, wurde ich von der Presse verfolgt", erklärte Høiby laut "Nettavisen". "Sehr wenige hier können sich mein Leben vorstellen. Ich war in Norwegen nur als der Sohn von Mama bekannt und hatte ein großes Bestätigungsbedürfnis. Das hat sich in Sex, Alkohol und so weiter geäußert."
Damit lieferte Høiby einen seltenen persönlichen Einblick in sein Leben als Mitglied der königlichen Familie – oder besser gesagt als Stiefsohn des Kronprinzen und Sohn der Kronprinzessin, der nie selbst offizielle Aufgaben innehatte. Die Aussage folgte auf den Bericht der "Skaugum-Frau", die erneut vor Gericht erschien. Sie schilderte, wie die mutmaßlichen Übergriffe im letzten Lebensjahr Spuren bei ihr hinterlassen haben.
Am ersten Prozesstag hatte die "Skaugum-Frau" eingeräumt, vor der mutmaßlichen Vergewaltigung "für einige Sekunden" Geschlechtsverkehr mit Høiby gehabt zu haben, diesen jedoch sofort abgebrochen. Anschließend sei ein völliger Blackout eingetreten, den sie mit Drogenkonsum erklärte. Im Zeugenstand betonte sie am zweiten Tag erneut: "Ich wollte mich nie als Opfer sehen. Ich bin eine starke Frau. Leider wurde ich ein Opfer, dank Marius …"
Die Darstellung der Zeugin und die persönlichen Worte von Høiby verdeutlichen die emotionale Schwere des Verfahrens. Für den 29-Jährigen, der sich bisher in sechs Punkten teilweise schuldig bekannte, steht nun die zentrale Befragung durch die Staatsanwaltschaft bevor – ein Moment, der möglicherweise über die weitere Richtung des Royal-Prozesses entscheiden wird.