Der zweite Prozesstag im Fall Marius Borg Høiby beginnt mit einem zentralen Zeugenauftritt. Am Vormittag steht erneut das mutmaßliche Opfer aus dem Umfeld des Königshauses, im Verfahren als "Skaugum-Frau" bezeichnet, vor Gericht. Sie war bereits am Vortag von der Staatsanwaltschaft befragt worden, nun nimmt die Verteidigung ihre Aussagen unter die Lupe.
Gegen den 29-Jährigen liegen insgesamt 38 Anklagepunkte vor. Der schwerste Vorwurf lautet auf Vergewaltigung. Am ersten Prozesstag bekannte sich Høiby in sechs Punkten schuldig. Die gravierendsten Anschuldigungen wies er jedoch zurück. Dazu zählen Vergewaltigung mit Geschlechtsverkehr, Vergewaltigung ohne Geschlechtsverkehr in drei Fällen sowie Missbrauch in engen Beziehungen.
Auch Vorwürfe wegen Bedrohung, fünf Fällen von sexuell übergriffigem Verhalten, Schikane gegenüber der Polizei und der Weigerung, seine Personalien gegenüber Amtsträgern anzugeben, bestreitet Høiby. In anderen Punkten räumte er lediglich eine teilweise Schuld ein.
Bereits am Montag hatte der Prozess für Aufsehen gesorgt. Høiby wirkte während der Verhandlung sichtlich angeschlagen, hielt einen Rosenkranz in den Händen. Zudem wurde bekannt, dass er sich kurz vor Prozessbeginn in Untersuchungshaft befindet. Das Gericht untersagte Fotoaufnahmen im Saal sowie auf dem Weg zum Gericht.
Nach der Mittagspause rückt der Angeklagte selbst in den Mittelpunkt. Dann wird Marius Borg Høiby von der Staatsanwaltschaft vernommen. Es ist einer der heikelsten Momente des Verfahrens und möglicherweise ein Wendepunkt in einem Prozess, der das norwegische Königshaus seit Monaten belastet.