Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) ist im Auftrag des Sozialministeriums erfolgreich gegen unzulässige Gebührenklauseln bei den Festivals Nova Rock und Frequency vorgegangen. Bereits im November 2025 stellte der Oberste Gerichtshof (OGH) klar, dass das beim Nova Rock Festival verrechnete "Müllpfand" in Höhe von 20 Euro unzulässig ist. Gleiches gilt nach dem OLG Wien für den beim Frequency Festival eingehobenen "Müllbeitrag":
Die Einbehaltung von 10 Euro bei Rückgabe eines "vollen" oder "halbvollen Müllsacks" ist gröblich benachteiligend. Verbraucher, die den Müllbeitrag bezahlt haben, stehen daher Rückzahlungsansprüche zu. Nun konnte der VKI gemeinsam mit dem Veranstalter eine verbraucherfreundliche Lösung erzielen: Betroffene können sich ab sofort an die Veranstalter wenden und erhalten die vom Veranstalter für die Aufräumarbeiten einbehaltenen Gebühren rückerstattet.
Die Gerichte stellten im Verbandsverfahren klar, dass die Müllentsorgung zu den vertraglichen Nebenpflichten des Veranstalters zählt und bereits durch den Ticketpreis abgegolten ist. Eine zusätzliche Verrechnung in Form eines "Müllbeitrags" stellt daher eine unzulässige Mehrbelastung dar.
Der VKI konnte nun mit den Veranstaltern der Festivals eine Einigung erzielen: Allen Betroffenen wird der Müllbeitrag rückerstattet. Anspruchsberechtigt sind Besucher:innen der Festivals aus den Jahren 2017 – 2025, die den "Müllbeitrag" gezahlt haben. Diese können sich unter Vorlage ihres Tickets an [[email protected], [email protected]] wenden.
Als unzulässig beurteilt wurde vom OLG Wien ferner eine Klausel, die die Rücküberweisung des auf dem Cashless-System aufgeladenen und unverbrauchten Restguthabens auf sechs Wochen nach dem Festival befristet ("Das Beantragen der Rücküberweisung ist ab 19.08.2024, 12:00 Uhr und bis 30.09.2024, 23:59 Uhr in deinem persönlichen Account möglich"). Die Veranstalter merken jedoch an, dass es sich hierbei um die automatische Rücküberweisungfrist handelt. Nach dem Verstreichen der Frist kann das Guthaben via Mail an [email protected] beziehungsweise [email protected] manuell zurückgefordert werden. Das nicht verbrauchte Guthaben wurde und wird den Verbraucher:innen auch über die sechs Wochen hinaus ausbezahlt und verfällt nicht.
"Der Schutz der Konsument:innen darf auch bei Großveranstaltungen wie Festivals nicht auf der Strecke bleiben. Es braucht klare Regeln und keine versteckten Gebühren. Das Urteil ist daher ein wichtiges Signal für den Konsumentenschutz", so Ulrike Königsberger-Ludwig, Staatssekretärin für Konsumentenschutz.
"Die Urteile stärken die Rechte der Verbraucher:innen und stellen klar: Standardmäßig zu erbringende Leistungen dürfen - ohne Mehrwert für Verbraucher:innen - nicht extra bepreist werden. Wir freuen uns, dass die Urteile von den Veranstaltern vollumfänglich umgesetzt werden und Betroffenen das Müllpfand rasch und unkompliziert erstattet wird", kommentiert Dr. Petra Leupold, Leiterin Intervention im VKI. "Umweltschutz und Verbraucherschutz sind kein Widerspruch. Der VKI unterstützt das Ziel der Müllvermeidung und nachhaltige Festival-Konzepte – fair, transparent und ohne unzulässige Zusatzgebühren", so Leupold.
Um dieses Ziel zu erreichen, starten die Veranstalter gemeinsam mit dem VKI eine Awarenesskampagne zur Müllvermeidung vor Ort. "Wir freuen uns, als VKI mit der Kampagne einen Beitrag zu leisten. Musikfestivals stehen für Freiheit, Gemeinschaft und positive Erlebnisse – verursachen aber oft enorme Mengen an Müll. Nachhaltiges Feiern ist kein Verzicht, sondern Teil einer modernen Festival-Kultur", kommentiert Franziska Keck, Leiterin Operations Management im VKI.
Eingeführt wird von den Veranstaltern auch ein neues Belohnungs-System: Besucher, die die Umwelt entlasten wollen, erhalten für die Abgabe eines vollen Müllsackes einen 5Ꞓ Gutschein. Dieser kann online für den Kauf eines Early Bird Tickets des Nova Rock bzw. Frequency Festivals im Folgejahr eingelöst werden. Zusätzlich gibt es bei Abgabe von zwei oder mehr vollen Müllsäcken die Möglichkeit, Tickets oder Cashless Guthaben für das Festival im Folgejahr zu gewinnen.
"Es war niemals unser Ziel, mit dem Müllpfand oder Müllbeitrag Gebühren zu verstecken. Das System des Müllpfandes gibt es, seit es Festivals in Österreich gibt. Ziel waren Müllvermeidung und ein Anreiz für alle, den anfallenden Müll in den dafür zur Verfügung gestellten Säcken zu sammeln, damit es auf den Campingplätzen ein wenig reiner aussieht. Wir bedanken uns bei allen Besucher:innen der letzten Jahrzehnte und hoffen, dass sie sich auch an dem jetzt neu aufgesetzten Müllsammelbelohnungssystem bei den Festivals beteiligen werden", sagen Ewald Tatar und Harry Jenner, die Chefs der Festivals Nova Rock bzw. Frequency.