Er legte international eine Mega-Karriere in Medien-Unternehmen hin. Jetzt will Johannes Larcher den ORF retten: "Es ist Feuer am Dach, es muss jetzt das Richtige getan werden." Wenn nicht, sieht er im "Heute"-Gespräch schwarz für den Öffentlich-Rechtlichen: "Wir laufen Gefahr in fünf Jahren irrelevant zu werden. Wir verlieren schon jetzt Generationen von jungen Nutzern an YouTube, TikTok, WhatsApp – die haben mit dem ORF nichts am Hut."
Es ist die politisch brisanteste Wahl des Jahres: Die des ORF-Generals. 13 Personen kommen in die engere Auswahl, einer davon ist Johannes Larcher. Er hat vor 33 Jahren Österreich verlassen, lenkt seitdem Medien-Giganten wie den US-Streamingdienst Hulu, HBO Max oder Yahoo.
Mammutaufgabe im ORF sind zunächst Einsparungen. Kandidat Larcher: "Ich kann locker 100 Millionen Euro einsparen, und dennoch wird es keine Reduktion im TV- oder Radio-Programm geben. Auch online nicht."
Zur Diskussion der vergangenen Tage über die Absetzung des Kult-Quiz "Millionenshow", sagt der Medien-Profi: "Wenn wir 80 bis 100 Millionen Euro einsparen müssen, dann gibt es sicher die Millionenshow weiter!"
Sein Prinzip: "Wir müssen das Programm schützen, Sparen werden wir in den Strukturen." Den Personalstand will er kräftig nach unten schrauben: "Wir haben gerade eine große Gelegenheit: In den nächsten fünf bis sechs Jahren gehen 25 Prozent der Mitarbeiter in Pension – das ist ein großer Kostenfaktor, das sind wirklich teure Mitarbeiter."
Er ist sich sicher, man muss nicht alle nachbesetzen: "Ich werde Doppelgleisigkeiten verhindern, schlanker organisieren, das mittlere Management ist viel zu aufgebläht, es gibt auch zu viele Mini-Redaktionen – das ist alles nicht mehr zeitgemäß."
Investieren will Larcher bei der 'verlorenen Generation': "Ganz klar ist das Jugendprogramm enorm wichtig: Ich plane Inhalte von jungen Menschen für junge Menschen." Beispiele sieht er bei der britischen BBC, bei ARD und ZDF: "Die machen tolles Programm, Information, Unterhaltung, Dokumentationen – alles günstig hergestellt und sofort auf mehreren Kanälen verfügbar (Anm.: neben TV und Radio auch sofort online und auf Sozialen Medien)."
Nächster Masterplan: "Das Programm muss österreichischer werden! Das ist unser Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu Netflix, Amazon Prime – darin sind nur wir authentisch."
Larcher hat ein großes Manko: Er hat kaum eine Lobby in Österreich. Wenn sich die Regierung ORF-Posten aufteilt, wie will er als Auslands-Österreicher ohne Polit-Unterstützung gewinnen: "Es gibt Gesetze, auch europäische Gesetze (Anm.: European Freedom Act), die sind einzuhalten."
"Auch wenn ein Teil der Stiftungsräte, die formal den ORF-Chef wählen, von der Politik entsandt sind, auch die müssen unabhängig, nachvollziehbar und völlig transparent entscheiden – darauf verlasse ich mich." Ist Larcher da nicht zu blauäugig? "Wenn es ein Systemkandidat der Regierung auf die Position gehievt wird, dann wird man das nicht so hinnehmen!"
Johannes Larcher, der selbst seine Karriere vor Jahrzehnten im ORF-Landesstudio Tirol begann: "Ich bin der einzige Kandidat, der das wirklich kann, mit internationaler Fernseh-Erfahrung." Allerdings: "Wenn es darum geht, dass wir Posten politisch so richten wie wir sie brauchen, dann bin ich wohl der Falsche."