Die nächste ORF-Skandal schlägt Wellen! Laut einem Bericht des "Standard" (Samstag, 9. Mai) sollen auf ORF III ausgestrahlte Dokumentationen teilweise von staatsnahen Organisationen wie den ÖBB oder der Wirtschaftskammer finanziert worden sein – ohne entsprechenden Hinweis an die Zuschauer.
Das lässt nun auch die ORF-Journalisten rot sehen! Redaktionsrat Dieter Bornemann meldete sich am Mittwoch mit scharfer Kritik: "Bei allem Verständnis für den Sparzwang und den Wunsch der ORFIII-Geschäftsführung nach möglichst günstigen Produktionen – hier wird von einzelnen Personen mit der Glaubwürdigkeit des gesamten Unternehmens gespielt."
„Das verspielt das Vertrauen unseres Publikums in die unabhängige Berichterstattung.“Dieter BornemannORF-Redaktionsrat
Dass von externen Produzenten "Dokumentationen" erstellt und dann als vermeintliche journalistische Produkte auf ORF III ausgestrahlt wurden, sei ein schwerer Schaden für das Unternehmen. "Es darf nicht einmal der Eindruck entstehen, dass Berichterstattung im ORF käuflich sei. Das verspielt das Vertrauen unseres Publikums in die unabhängige Berichterstattung", so Bornemann weiter. Auch für zugekaufte Dokus müsse der selbe Qualitätsanspruch gelten wie für Eigenproduktionen.
"Die ORF-Redaktionen – selbstverständlich auch die von ORF III – arbeiten unabhängig in ihrer journalistischen Berichterstattung. Diese Unabhängigkeit bedeutet auch Unabhängigkeit von wirtschaftlichen oder politischen Interessen. Jede Form von Einflussnahme auf redaktionelle Arbeit ist unzulässig, Verstöße dagegen sind zu ahnden."
Dabei verweist der Redaktionsvertreter auf die vor anderthalb Jahren eingesetzte "Schöber-Kommission". 60 Mitarbeiter von ORF III hätten damals zu CEO Peter Schöber ausgesagt. Es ging dabei um sein Führungsverhalten, den Vorwurf des Mobbings und Einflussnahme auf die redaktionelle Berichterstattung. Dieser Bericht wurde jedoch nicht veröffentlicht, angekündigte Konsequenzen des damaligen Generaldirektors Roland Weißmann seien unzureichend gewesen, beklagt Bornemann.
"Das Publikum muss darauf vertrauen können, dass redaktionelle Beiträge im ORF von den Redaktionen unabhängig und objektiv gestaltet und verantwortet werden. Daher muss sichergestellt werden, dass Fehlverhalten auch in der Führungsetage Konsequenzen hat und dass solche 'Dokumentationen' nicht mehr auf Sendung gehen."