Ein Ticket für Europa

Chaos beim Bahnfahren – jetzt greift EU-Kommission ein

Bahnreisen quer durch Europa sollen einfacher werden. Konkret soll unter anderem das Buchungschaos bei grenzüberschreitenden Fahrten beendet werden.
Team Wirtschaft
12.05.2026, 14:13
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Wer in Europa mit der Bahn reist, kennt das Problem: Für eine Fahrt über die Grenze braucht es oft mehrere Webseiten, mehrere Tickets und viel Geduld. Damit soll nun endlich Schluss sein. Die EU-Kommission will am 13. Mai ein neues Eisenbahnpaket vorlegen, das den Kauf internationaler Zugtickets deutlich vereinfachen soll. Im Zentrum steht das sogenannte Single Ticketing: ein Klick, ein Ticket, eine durchgehende Reise.

Grenzenloses Europa auch beim Ticketkauf

ÖVP-Europapolitikerin Sophia Kircher bringt es so auf den Punkt: "Wenn Europa grenzenlos sein will, muss das auch beim Ticketkauf gelten." Die Verkehrssprecherin der ÖVP im Europaparlament und stellvertretende Vorsitzende des Verkehrsausschusses vergleicht das Projekt mit dem Ende der Roaming-Gebühren. Auch damals sei Europa für die Bürger im Alltag spürbar einfacher geworden.

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"Ein Klick, ein Ticket, ein Europa"

Konkret soll es künftig leichter werden, digitale Tickets verschiedener europäischer Anbieter über eine Plattform zu kaufen. Wer von Wien nach Prag, München, Zürich oder weiter quer durch Europa fährt, soll nicht mehr mühsam auf mehreren Seiten suchen müssen. Kirchers Motto dazu: "Ein Klick, ein Ticket, ein Europa."

Fahrgäste sollen Zugang zu allen Angeboten erhalten

Insgesamt besteht das geplante Eisenbahnpaket der EU-Kommission aus drei Teilen. Im ersten Teil („Multimodal Digital Mobility Services Regulation“, kurz MDMS) sollen große Buchungsplattformen dazu verpflichtet werden, alle existierenden Zugverbindungen in ihrem geografischen Bereich anzuzeigen. Damit sollen Fahrgäste Zugang zu allen Ticketangeboten inklusive der günstigsten Preise erhalten.

Kombinierte durchgehende Tickets sollen Pflicht werden

Im zweiten Teil geht es um das erwähnte Single Ticketing, im Brüssel-Sprech "Single Digital Booking and Ticketing Regulation" alias SDBTR genannt. Hier sollen – zusammengefasst – Bahnunternehmen verpflichtet werden, ihre Ticketdaten mit allen Plattformen zu teilen, um kombinierte durchgehende Tickets für internationale Reisen zu ermöglichen. Damit sollen Reisende in die Lage versetzt werden, ein einziges Ticket auf einer einzigen Plattform zu kaufen. Zudem soll der Austausch von Echtzeitdaten zu Verspätungen gefördert werden.

Auch mehr Rechte für Fahrgäste vorgesehen

Als dritten Punkt plant die EU-Kommission eine Überarbeitung der "Rail Passenger Rights Regulation" (RPRR). Damit sollen Fahrgastrechte gestärkt und ausgeweitet werden. Ein Kernpunkt ist die gesetzliche Verankerung des Rechts, bei verpassten Anschlüssen einfach in den nächsten Zug einsteigen zu dürfen. Ebenso soll die finanzielle Unterstützung für Verpflegung und Übernachtung bei langen Verspätungen oder Zugausfällen bei betreiberübergreifenden Verbindungen sichergestellt werden.

Darüber hinaus soll das Paket kommerzielle Verhandlungen zwischen Bahnbetreibern und Buchungsplattformen vorschreiben, damit Tickets plattformübergreifend zu fairen, angemessenen und diskriminierungsfreien Bedingungen verkauft und angezeigt werden.

Umsetzung womöglich 2027

Und wann kommen wir in den Genuss der Neuerungen? Womöglich erst 2027 oder 2028. Im nächsten Schritt muss nämlich nun das EU-Parlament Position beziehen. Gleiches gilt für die Mitgliedsländer. Dann wird über allfällige Änderungswünsche diskutiert, bevor eine Umsetzung möglich ist. Erfahrungsgemäß kann das bis zu zwei Jahre oder länger dauern.

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