Auf den ORF könnte ab 2027 ein weiteres Sparpaket von 85 Millionen Euro jährlich zukommen. Das würde zusätzlich zu den bereits laufenden Einsparungen und den 54 Millionen Euro kommen, die der Sender wegen des eingefrorenen ORF-Beitrags von 15,30 Euro allein 2027 einsparen muss.
ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher warnte bereits vor den Folgen: "Das Publikum wird es spüren." Die geplanten Kürzungen seien "in einer Dimension und Kurzfristigkeit, die an den Grundfesten rüttelt". Hintergrund ist ein Vorhaben der ÖVP, die gesetzlich verankerte Bundesabgeltung für den Wegfall der Vorsteuerabzugsmöglichkeit nach Einführung der ORF-Haushaltsabgabe zu streichen.
Die Produzentenverbände Film Austria und aafp befürchten, "dass Kürzungen ausschließlich in einem Bereich stattfinden könnten, der keine langfristigen Vereinbarungen aufweist, also im Programm". Tatsächlich gelten Einsparungen dort als wahrscheinlich, da Personal, Rechte oder strukturelle Änderungen kurzfristig kaum reduziert werden können.
Sollte das zusätzliche Sparpaket kommen, hätte die Programmdirektion laut Berichten rund 60 Millionen Euro weniger Budget als 2026 – etwa ein Viertel ihres Etats.
Auf ersten Kürzungslisten soll auch die "Millionenshow" stehen, wie der "Kurier" am Sonntagabend berichtet. Die Quizsendung mit Armin Assinger könnte 2027 auslaufen, die Entscheidung soll aber möglichst lange hinausgezögert werden.
Fix beendet werden sollen die Vorabend-Quizformate "Q1 – eine Antwort ist falsch" mit Oliver Polzer und "Smart10 – Das Quiz mit den zehn Möglichkeiten" mit Caroline Athanasiadis. Von "Universum – Die Show" mit Mirjam Weichselbraun soll dem Vernehmen nach nur noch eine weitere Ausgabe produziert werden. Film- und Serienproduktionen will man wegen ihrer Bedeutung vorerst möglichst schonen.
Im Sportbereich wird über eine neue hochwertige Sendung rund um die Bundesliga-Highlights nachgedacht. Damit stellt sich auch die Frage nach der Zukunft von "Sport am Sonntag". Offen bleibt zudem, wie es mit dem Radio-Symphonieorchester Wien (RSO) und der Satellitenverbreitung von ORF Sport+ weitergeht.
Der ORF wollte "Gerüchte über Einzelsendungen und etwaige Streichungslisten" gegenüber dem "Kurier" nicht kommentieren. In einer Stellungnahme heißt es: "Wie für alle Medienunternehmen in Österreich werden die kommenden Jahre auch für den ORF aus wirtschaftlicher Sicht äußerst herausfordernd."
Trotz eines laufenden Sparprogramms von mehr als 300 Millionen Euro bis 2026 drohten "spürbare" Einsparungen bei Programmen. Ziel sei es, "weiterhin die Finanzierung öffentlich-rechtlicher Kernaufträge und publikumsstarker Hauptabendangebote sicherzustellen".