Der ORF braucht einen Nachfolger für Ingrid Thurnher – die Sender-Legende bewirbt sich nicht noch einmal für den Chefsessel. Dafür stieg Stunden vor Ende der Frist noch APA-Geschäftsführer Clemens Pig in den Ring. Bis Mitternacht konnten sich Interessenten am Donnerstag für die Leitung des ORF ab 1.1.2027 bewerben.
Es war ein turbulenter Tag mit zahlreichen Bewerbungen – und einer prominenten Absage: TV-Legende Ingrid Thurnher verzichtet auf eine volle fünfjährige Amtszeit. Sie brauche "die Hände frei", um im ORF für Transparenz, Konsequenz und Aufarbeitung zu sorgen.
Dafür stieg eben APA-Geschäftsführer Clemens Pig offiziell in das Generals-Rennen ein. Bei der nationalen Nachrichtenagentur werde er ausscheiden. Der gebürtige Tiroler gilt als aussichtsreichster Kandidat; er genießt das Vertrauen von ÖVP-Kanzler Christian Stocker.
Insgesamt sind laut "Standard" nicht wie anfangs kolportiert 20, sondern ganze 76 Bewerbungen für die Position des ORF-Generals eingelangt. Schon am Montag wird eine sogenannte "Findungskommission" des ORF-Stiftungsrats unter notarieller Aufsicht tagen.
Apropos: Als Puls-Beschleuniger für so manchen Stiftungsrat könnte Markus Breitenecker dienen. Er gründete Österreichs größte Privatsendergruppe um Puls 4 und will jetzt den ORF weiter voranbringen.
Medienminister Andreas Babler sprach sich bekanntlich für eine weibliche Chefin aus. Mit Magazin-Leiterin Lisa Totzauer und ORF-III-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz bewerben sich gleich zwei, die das Unternehmen bestens von innen kennen.
Ex-Warner-Bros-Manager Johannes Larcher tritt ebenso an. Auch die geschasste ZiB-Rebellin Sonja Sagmeister und Eva Schütz, Gründerin des rechten eXXpress, wollen den Top-Job – freilich ohne reelle Chance. Die Wahl der 35 Stiftungsräte findet am 11. Juni statt.