Rektor Müller zu Kahlschlag

Budget-Kürzungen: "Müssten 200 Ärzte am AKH einsparen"

Setzt Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SP) ihre Einspar-Pläne um, droht am Wiener AKH ein Ärzte-Kahlschlag. Rektor Markus Müller warnt.
Clemens Oistric
29.05.2026, 05:31
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Das Uni-Budget als Akut-Patient: Rund eine Milliarde kürzt Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SP) in der kommenden Periode. An der medizinischen Universität müssten 110 Millionen Euro eingespart werden. Kostensteigerungen aufgrund der Inflation sind da noch gar nicht berücksichtigt. Rektor Markus Müller sprach mit "Heute" (Video in voller Länge unten) unter anderem über:

Größenordnung der Kürzungen

"Der Anteil der MedUni am gesamten Universitätsbudget beträgt etwa 11 Prozent. Wenn man dem eine Milliarde Euro Real-Kürzungen zugrunde legt, liegen wir bei 110 Millionen Euro."

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Video: Das komplette Interview mit Markus Müller

Proteste samt Großdemo

"Letztlich geht es um die Zukunft unseres Landes und die Frage, ob wir überhaupt noch in die Zukunft investieren wollen oder uns weiter dem Staatskonsum hingeben wollen – sprich Ausgaben, ohne daraus einen längerfristigen Effekt zu erzielen."

Beitrag der Unis

"Natürlich ist es völlig klar, dass die Staatsfinanzen in keinem guten Zustand sind und auch die Universitäten einen Beitrag werden leisten müssen, das ist uns klar. Alles unter 17 Milliarden Euro Budget ist aber sehr, sehr schwer managebar. Ich frage mich schon: Warum schmeißen wir auf der einen Seite mit beiden Händen Geld hinaus und machen auf der anderen Seite Einschnitte in systemrelevanten Bereichen?"

Kostenstruktur der MedUni

"Etwa 80 Prozent unseres Budgets fließen in das Personal. Das heißt: Jede relevante Einsparung wäre unmittelbar auch personalwirksam."

Auswirkungen auf das AKH

"Ein sehr großer Teil unseres Budgets fließt in den Betrieb des Allgemeinen Krankenhauses, der Universitätskliniken. Die Kürzungen würden bedeuten, dass wir etwa 200 Ärztestellen im Allgemeinen Krankenhaus einsparen müssten. Das wäre sicher die Maßnahme, die man öffentlich am stärksten spüren würde."

Folgen

"Die ohnedies schon angespannte Situation im Gesundheitssystem würde noch angespannter werden, wie man sich vorstellen kann. Die Universitätskliniken sind die letzte Verteidigungslinie für viele – vor allem schwere – Erkrankungen."

Studium

"Unsere Universität hat 800 neue Medizinstudenten pro Jahr. Wir bilden etwa dreimal so viele aus wie andere, international sehr bekannte Universitäten. Natürlich würde das auch bedeuten, dass wir nicht nur Ärztestellen, sondern auch Ausbildungsstellen reduzieren müssten."

Forschungsgelder der EU

"Die EU wird im neuen Rahmenprogramm ihre Forschungsinvestitionen verdoppeln. Wenn wir jetzt Leute abbauen, ist das kein gutes Signal ins Ausland. Die letzten 20 Jahre waren sehr erfolgreich. Ein Großteil der Patente, die in Österreich entstehen, kommt beispielsweise von den Universitäten."

„Die Spitäler sind Ländersache, der niedergelassene Bereich jener der ÖGK. Der Minister hat bestenfalls moderierende Möglichkeiten.“
Markus MüllerRektor MedUni Wien
Müller im Gespräch mit Clemens Oistric ("Heute")
Helmut Graf

Prävention

"Vorsorge ist besser als Heilung. Wir haben derzeit eine Medizin, die sehr auf Reparatur ausgerichtet ist – das ist die teuerste Form. Hier könnte man mit Präventionsmaßnahmen, die deutlich billiger wären, sehr viel Nutzen stiften und am Ende des Tages auch das sehr teure Spitalssystem entlasten."

Politische Steuerung

"Das Problem in Österreich ist, dass die Gesundheitsministerin derzeit zu wenig Kompetenzen hat. Ein ehemaliger Gesundheitsminister sagte: 'Der Bund ist ein Bankomat.' Die Spitäler sind Ländersache, der niedergelassene Bereich jener der ÖGK. Der Minister hat hier bestenfalls moderierende Möglichkeiten.

Gehälter

"Die Ärzte-Gehälter an österreichischen Universitäten sind international salonfähig. Eine Kürzung wäre ein Rückschritt. 'If you pay peanuts, you get monkeys.'"

{title && {title} } coi, {title && {title} } 29.05.2026, 05:31
Jetzt E-Paper lesen