Seit Tagen gilt er als aussichtsreicher Kandidat für das höchste Amt im ORF. Offiziell machte APA-Geschäftsführer Clemens Pig seine Ambitionen, ORF-Generaldirektor zu werden, allerdings erst am Donnerstag kurz vor 15 Uhr – und damit quasi am letzten Drücker. Denn nur noch bis Mitternacht haben Bewerberinnen und Bewerber Zeit, sich offiziell für den Chef-Posten am Küniglberg zu bewerben.
"Der ORF ist nicht irgendein Medienunternehmen. Er ist eine zentrale demokratische Institution dieses Landes", erklärt Pig. "Gerade in einer Zeit tiefgreifender technologischer, gesellschaftlicher und geopolitischer Veränderungen braucht Österreich einen starken, unabhängigen und zukunftsfähigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ich möchte Verantwortung dafür übernehmen, dass der ORF Vertrauen stärkt, Orientierung gibt und seine besondere Rolle im digitalen Zeitalter konsequent weiterentwickelt."
Sein Leitmotiv lautet "Ein ORF, dem Österreich vertraut". Der Rundfunk müsse in den kommenden Jahren nicht einfach nur kleiner, sondern klarer, effizienter und öffentlich besser nachvollziehbar werden. Im Mittelpunkt stünden dabei nicht Selbstdarstellung oder große Inszenierung, sondern eine ruhige, verbindliche und umsetzungsorientierte Führung.
Clemens Pig gilt als Favorit der ÖVP, auch wenn es zuletzt parteiinternen Gegenwind gegeben hat – "Heute" berichtete. Pig selbst gilt jedenfalls als erfahrener Medienprofi. Der promovierte Politikwissenschaftler wurde 1974 in Innsbruck geboren. Bereits während des Studiums gründete Pig 1996 gemeinsam mit Kollegen das Medienanalyse-Unternehmen MediaWatch. 2008 wechselte Pig in die Geschäftsleitung der APA nach Wien, Geschäftsführer der heimischen Presseagentur ist er seit 2014.
Dem Vernehmen nach gibt es rund zwei Dutzend Bewerber auf den begehrten ORF-Chefsessel. Realistische Chancen, diesen zu erobern, haben aber wohl nur die wenigsten. Was seit Donnerstag schon fix ist: Interimschefin Ingrid Thurnher wird aus dem Amt scheiden, sie steht für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung. In einem Statement erklärte sie, dass sie durch diese Entscheidung ermögliche, "das zu tun, was Voraussetzung für den Neustart des ORF ist"
Der ORF will sich beim Auswahlverfahren streng an das Europäische Medienfreiheitsgesetz halten. Ab Montag wird eine Findungskommission – sie setzt sich aus den umstrittenen Partei-Freundeskreisen zusammen – die Bewerbungen sichten. Am 8. Juni sollen die Favoriten zu einem öffentlichen Hearing geladen werden. Die Entscheidung fällt schließlich am 11. Juni im Stiftungsrat.