"Heute"-Leser wussten über die Ambitionen des langjährigen TV-Managers bereits seit Wochen Bescheid. Freitagfrüh ließ Puls-4-Gründer Markus Breitenecker (57) via LinkedIn-Posting die medienpolitische Bombe platzen: Der jahrzehntelange Privat-TV-Pionier will neuer Generaldirektor des öffentlich-rechtlichen Senders werden.
In seinem exakt 3:13 Minuten langen Video wandte er sich gleichermaßen an seine Follower und das "liebe ORF-Team". Der zweifache Familienvater erklärte seine Ambitionen: "Es geht um viel für Österreich – und vielleicht um alles für den ORF und den Medienstandort."
Seine Bewerbung stellt er unter das Motto "Ein souveräner ORF. Vom Marktführer zum Marktmotor". Breitenecker tritt für einen "souveränen und starken ORF, der uns durch diese Zeit trägt" ein. Gleichzeitig ortet er Handlungsbedarf: "Der ORF steckt in einer veritablen Krise. Nicht zuletzt die Ereignisse der vergangenen Wochen haben den Fokus auf das Wesentliche verstellt: die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags für das österreichische Publikum."
Der langjährige Medienmanager bringt – im Gegensatz zu APA-Chef Clemens Pig – mehr als 30 Jahre Fernseherfahrung mit, führte einen Konzern mit Tausenden Mitarbeitern und launchte im Streamingbereich erfolgreich "Joyn". Weniger von Erfolg gekrönt war 2019 der Launch von Puls 24. Der Nachrichtensender konnte sich am Publikumsmarkt nie durchsetzen, musste sein Angebot zuletzt deutlich abspecken.
Der gebürtige Wiener möchte auch auf private Mitbewerber ("Kooperation statt Konkurrenz") zugehen: "Es ist meine langjährige Überzeugung, dass heimische Medien bei all ihrer Unterschiedlichkeit als strategische Partner zusammenarbeiten müssen und dass der ORF dabei eine entscheidende Rolle spielt."
In den kommenden Wochen möchte sich Breitenecker mit dem ORF-Team austauschen und seine Ideen und Überlegungen in Hearings und öffentlichen Diskussionen umreißen. Bereits am Donnerstag war er beim Mediengipfel im Tiroler Seefeld aufgetreten.
Dort traf er auch auf APA-Geschäftsführer Clemens Pig, dessen Kandidatur sich Teile der ÖVP wünschen. Offiziell gemacht hat er sein Antreten bisher nicht. Pig (51) kommt auch zusehends unter Druck. Mehrere Stiftungsräte monieren, dass er mangels einschlägiger TV- und Radioerfahrung gar nicht die formalen Ausschreibungskriterien erfülle. Auch innerhalb des schwarzen Freundeskreises gilt er nicht als unumstritten.
Neben Breitenecker hat bisher lediglich ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer (55) ihre Kandidatur öffentlich angekündigt. Sie wird unter anderem von prominenten ÖVP-Vertreterinnen favorisiert, konnte bei ihrem Antritt gegen Roland Weißmann anno 2021 fünf Stiftungsräte (FPÖ, Neos, eine Betriebsrätin) von sich überzeugen. Am Donnerstag sprachen sich bereits die ORF-Korrespondenten offiziell für die erfahrene Top-Journalistin aus.
Auch der ehemalige Warner-Manager Johannes Larcher mit besten Verbindungen zu Ex-ORF-Intendant Gerhard Zeiler soll mit der Leitung der größten Medienorgel des Landes liebäugeln, geistert als Gerücht durch das Regierungsviertel. Offiziell geäußert hat sich der Manager dazu nie.